Der Werber-Rat
Drossel-Verträge drangsalieren die Kunden

Mit der angekündigten Drosselung der Internetanschlüsse beschädigt die Deutsche Telekom ihr Image. Denn ihrem Netzanbieter wollen die Kunden blind vertrauen. Dieses Vertrauen ist erschüttert.
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Die Telekom will nun neben den Mobilfunkverträgen auch die Festnetzverträge ändern. Bei den Mobilfunkverträgen ist es dem Unternehmen schon gelungen, eine Drosselung der Surfgeschwindigkeiten nach Überschreitung einer bestimmten Datenmenge zu installieren. Dies will sie nun auch im Festnetz tun. Schon ab 2. Mai sollen die neuen Verträge entsprechend geändert werden. Dabei nutzt die Telekom ihre Macht. Prinzipiell ist nichts dagegen einzuwenden, dass Unternehmen auch Geld verdienen möchten: Diese Art mit Kunden umzugehen ist jedoch verwerflich.

Zum einen werden die Änderungen kaum deutlich kommuniziert. Die willkürliche Umstellung dürfte dem Image der Marke eher schaden als nützen. Die Telekom agiert quasi diktatorisch. Und folgt damit gängigen Praxen von Facebook und Apple - die ständig ihre Vertrags- und Nutzungsbedingen ändern. Meist zulasten der Nutzer. Das ist aus ethischer Perspektive nicht besser. Aber die Telekom vergisst, dass die Menschen Apple als Kult ansehen und Facebook als Gemeinschaftsmedium. Einem Netzanbieter wie der Telekom hingegen stehen sie distanzierter gegenüber.

Tatsächlich haben die Menschen an die Telekom andere Erwartungen. Gerade weil der Netzanbieter nur im Hintergrund des menschlichen Alltags agiert, wollen sich die Menschen blind auf ihn verlassen können. Vergleichbar ist das mit den Erwartungen an Versicherer. Netzanbieter sichern Verbindungen zu den Lieben und zu wichtigen Geschäftspartnern ab. Mit dieser Absicherung wollen Menschen sich nicht ständig neu auseinandersetzen. Sie möchten diese Verbindungen auch nicht plötzlich gedrosselt sehen - denn damit geht die Sorge einher, dass die wichtigen Verbindungen abgewürgt werden.

Schon vorher ist es der Telekom nicht gelungen, ihre Verträge und Tarife übersichtlicher zu gestalten als ihre Wettbewerber. Eine vergebene Chance. Sie hätte sich als vorbildlich und verbindlich positionieren können. Denn wenn es um Netzverbindungen und Telefonanschlüsse geht, ist Verbindlichkeit ein zentraler und nachhaltiger Mehrwert. Neben dem Tarifdschungel gibt es nun noch die Drosselverträge, die auch eine Drangsalierung der Kunden bedeuten.

Die Autorin:

Ines Imdahl ist Psychologin und Inhaberin der Marktforschungsagentur Rheingold Salon. Sie ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Ines Imdahl ist Psychologin sowie Inhaberin und Geschäftsführerin des Rheingold-Salons. Quelle: Ulrike Reinker
Ines Imdahl
/ Psychologin, Inhaberin Rheingold Salons

Kommentare zu " Der Werber-Rat: Drossel-Verträge drangsalieren die Kunden"

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  • Von der Drosselung ab 2016 sind fast alle Kunden betroffen, auch die Bestandskunden. Bis 2016 sollen alle Kunden auf IP umgestellt werden. Das betrifft ca. 90% aller Telefonanschlüsse. Alle, die bisher nicht auf IP umgestellt haben, werden einen neuen Vertrag benötigen. 2016 werden fast alle von der Drossel betroffen sein. Hat heute ein durchschnittlicher Kunde 20 GB soll sich das Volumen bis 2016 vervierfachen (siehe dazu die Stellungnahme Telekom). 20GB*4 = 80GB und damit ist man schon über der Drosselgrenze.
    Die Wenignutzer haben aber auch nichts davon, wenn die Vielnutzer (3% der Kunden) gehen. Den die Preise wird die Telekom bestimmt nicht senken. Wo ist also der Sinn?

    Die bestehende Infrastruktur wurde von der Bundespost aus Steuergelder aufgebaut. Somit erhält die Telekom Einnahmen von den Bürgern gür die Nutzung des Netzes, was die Bürger dieses Staates bereits bezahlt haben. Das nenn ich ein gelungenes Geschäftsmodell!
    Ein analoges Vorgehen wäre, wenn der Staat das komplette Straßennetz verschenken würde an ein privates Unternehmen und jeder Autofahrer und Fahrradfahrer müsste für die Nutzung eine monatliche Gebühr entrichten. 100 Kilometer im Monat dürfte man schneller als 120 Km/h fahren. Danach dürfen Sie nur noch maximal 50 Km/h fahren. Was wäre wohl dann in Deutschland los?
    Die Infrastruktur muss unter staatlicher Kontrolle stehen und darf nicht nur einem Unternehmen gehören.

  • "Keineswegs, wie machen das alle anderen Staaten in der Welt? "

    Die drosseln :)
    Ich habe hier auch einen "gedrosselten" Zugang, andere gibt es nicht, habe ich zumindest noch nicht entdeckt.
    Aber alle haben auch TV etc mit in Komplettangeboten.
    Beruflich brauche ich auch nicht wirklich viel, ich beherrsche noch telnet und schiebe Dateien z. B. für Kunden direkt von Rechner zu Rechner. Auch dort gibt es Traffic-Beschränkungen, die Obergrenze hab ich da noch nie erreicht.
    Dann gibt es noch die "geheime" Drosselung, geht zuviel durch, wird eben durch andere Maßnahmen gedrosselt, die der Endnutzer nicht wirklich mehr mit bekommt.
    Im Grunde ist die Telekom hier nur ehrlich, allerdings die eigenen Angebote da auszusparen, ist sicher ein Fall für die Kartellwächter.

  • Wenn mich nicht alles täuscht verdient man im Festnetz als Anbieter innerhalb der Mindestvertragslaufzeit genau gar nichts am Kunden. Falls es schon jemandem aufgefallen ist: es wird nicht mal mehr Werbung für Festnetz geschaltet, bestenfalls mal von 1und1.

    Das Gerede von Abzocke scheint mir mehr getrieben zu sein vom aktuellen Trend: der kleine machtlose Verbraucher kotzt sich an großen Unternehmen aus.

    Das ganze Ding wird eine Preiserhöhung werden (Aufhebung der Drosselung gegen Aufpreis oder verschiedene Inklusivvolumina). Oder die Bundesnetzagentur läßt zu, dass die DTAG ihren Wettbewerbern höhere Entgelte in Rechnung stellen darf, mit den bekannten Konsequenzen.

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