Der Werber-Rat
„Ei love rosa“

Ferrero bringt ein rosa „Mädchen-Ei“ auf den Markt und sorgt damit bei Frauenrechtlerinnen für Furore. Doch das ist kontraproduktiv. Die Feministinnen sind Opfer ihrer eigenen Klischees geworden.
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Es ist erstaunlich, über welche Dinge sogenannte Frauenrechtlerinnen sich heute echauffieren. Da bringt der Süßwarenhersteller Ferrero eine Mädchenvariante des Überraschungseis auf den Markt, bewirbt sie mit dem Claim "Ei love rosa" und löst einen Sturm im Schokoei aus. Die Püppchen schürten den Magerwahn, und Deutschlands selbst ernanntes Vorzeige-Feministinnenblatt "Emma" glaubt sogar, dass sich die Farbe Rosa auf die Intelligenz von Mädchen negativ auswirke.

Aus Marktforschungssicht haben die Aufregerinnen die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Die Feministinnen sind Opfer ihrer eigenen Klischees geworden. Rosa steht längst nicht mehr für Zurückhaltung und Zartheit. Kleine Mädchen fordern diese Farbe vielmehr aktiv ein und präsentieren sie stolz im Kindergarten mit Rüschen und Tutu.

Sie sind dabei so klar und dominant, dass auch Jungen die Farbe attraktiv finden und selbstbewusst äußern: "Es gibt keine Mädchenfarben." Sie haben recht. Farben sind Farben - und als solche erst einmal nicht "geschlechtlich". Das verstehen Kinder oft besser als Erwachsene. Auch Mode für kleine und große Männer mit hohem Rosa- und Lilaanteil findet Akzeptanz und zeigt, dass solche Geschlechterfestlegungen nicht angeboren sind.

Dennoch ist die Rosa-Präferenz bei kleinen Mädchen oft nicht zu übersehen. Das ist natürlich der Grund, warum Unternehmen wie Ferrero mit ihren Angeboten punkten können. Überraschungseier können Mädchen aber nicht zu rosa Mager-Dummchen machen. Sie setzen lediglich auf ein bereits existierendes Bedürfnis. Überraschend ist diese farbenstereotype Idee jedoch nicht - eher konventionell. Die "Überraschungslosigkeit" zu kritisieren, würde aus werbepsychologischer Sicht eher Sinn ergeben.

Der Aufstand der Alt-68er hingegen schürt die Beachtung des Ü-Eis eher, als dem Erfolg entgegenzuwirken. Denn gerade Mütter, die andere Vorbilder leben, haben nicht selten Töchter mit ausgeprägten Rosaträumen. Jedes Kind braucht nämlich zur Identitätsfindung Abgrenzung, es sucht sich Rollen, die der vorherigen Generation entgegenstehen. Je heftiger also die Gegenwehr der Eltern, desto attraktiver der Ballerina-Traum. Feministinnen sollten eher versuchen, Mädchen zu verstehen, als ihnen ihre oft ohnehin nur vorübergehende Lieblingsfarbe auszureden.

Übrigens hat die Fernsehsendung "Frau TV" gerade eine Einladung zur 500. Ausgabe versandt - in Rosa mit Prinzessinnenkrönchen - das finde ich mal eine nette Überraschung.

Die Autorin:

Ines Imdahl ist Psychologin und Inhaberin der Marktforschungsagentur Rheingold Salon. Sie ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Ines Imdahl ist Psychologin sowie Inhaberin und Geschäftsführerin des Rheingold-Salons. Quelle: Ulrike Reinker
Ines Imdahl
/ Psychologin, Inhaberin Rheingold Salons

Kommentare zu " Der Werber-Rat: „Ei love rosa“"

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  • Bin keine alt 68erin, liebe die Farbe rosa und Glitzerkram. Ihren Artikel und das rosa Ei finde ich jedoch grauenvoll. Besser als ich können das die Menschen von Pinkstinks erklären, die übrigens nicht gegen die Farbe Pink an sich sind -.- http://pinkstinks.de/?p=706

  • absolut unqualifizierter und oberflächlicher artikel

  • Noch mehr als die Farbe Rosa wirkt sich militanter Feminismus negativ auf die Intelligenz aus...

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