Der Werber-Rat: Ein bisschen mehr Wahrheit, bitte

Der Werber-Rat
Ein bisschen mehr Wahrheit, bitte

Werbung genießt hierzulande keinen besonders guten Ruf. Meist nervt sie und glauben will ihr ohnehin kaum jemand. Das hat seine berechtigten Gründe. Denn immer wieder kommt es vor, dass uns die Reklame anlügt.
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Als ich kürzlich meine Laufstrecke wegen Hochwassers verlegen musste, fiel mir ein Werbeschild ins Auge: Ihre Stadt, Ihr Fluss, Ihre neue Luxuswohnung. Dieses Schild hat mich nachhaltig geärgert. Nicht viel und ich hätte den Maklern eine Beratung angeboten. Denn: Die Wohnungen lagen an einer vierspurigen Straße, ohne Bürgersteig, hinter einer hässlichen Betonmauer. Vom Stadtleben waren diese Wohnungen ebenso weit entfernt wie vom Rheinblick, aber der gehobenere Stadtteil sollte wohl die Auslobung Luxus rechtfertigen.

Niemand, der Werbung anschaut, erwartet puren Realismus. Gute Werbung darf in Fantasiewelten entführen. Aber ein Grund, warum Werbung und Marketing oft ein schlechtes Image haben, sind solche Schilder vor Betonbunkern. Eingeräumt: Immobilienmakler umschreiben Wohnungen oft in goldenen Farben. Dennoch bleibt die Frage: Ist ein solches Schild nicht echter Betrug? Führen nicht gerade solche unlauteren Übertreibungen dazu, dass am Ende Vorzüge, die den Menschen wirklich wichtig sind, nicht mehr ausgelobt werden dürfen? Wie etwa, dass Joghurt und probiotische Nahrungsergänzungen, irgendwie gesund sind? Die Menschen möchten nämlich wissen, dass sie richtig gewählt haben. Derzeit gilt es bereits als irreführend, Probiotika als abwehrstärkend zu bezeichnen.

Die Irreführung der Immobilienmakler darf man demgegenüber als echte Lüge bezeichnen. Im Bereich Lebens- und Genussmittel wird derzeit so viel reglementiert und kontrolliert, dass man ans Genießen kaum noch denken kann. Das mag mit dem Existenziellen der Lebensmittel zu tun haben. Es geht, wie der Name schon sagt, um das Leben. Bei Immobilien nur um das Wohnen. Aber das hat letztlich auch eine Menge mit dem Leben zu tun.

Und da wird deutlich, was die Menschen wollen: Übertreibungen in der Werbung dürfen niemals Betrug bedeuten. Es fällt auf den Anbieter negativ zurück. Lets face it: Es gibt nicht nur gute Wohnungen. So wie es eben Traumautos gibt und praktischere. Oft reichen kleine Fantasien, wie "ein Joghurt tut mir gut" oder "mit diesem Duft bin ich verführerischer". Daher könnte der beste Vorsatz für 2013 lauten: Don't shit the consumer!

Die Autorin:

Ines Imdahl ist Psychologin und Inhaberin der Marktforschungsagentur Rheingold Salon. Sie ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

 
Ines Imdahl ist Psychologin sowie Inhaberin und Geschäftsführerin des Rheingold-Salons. Quelle: Ulrike Reinker
Ines Imdahl
/ Psychologin, Inhaberin Rheingold Salons

Kommentare zu " Der Werber-Rat: Ein bisschen mehr Wahrheit, bitte"

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  • Zitat: "Im Bereich Lebens- und Genussmittel wird derzeit so viel reglementiert und kontrolliert, dass man ans Genießen kaum noch denken kann. Das mag mit dem Existenziellen der Lebensmittel zu tun haben."
    Als Marktforscherin könnten sie es besser wissen. Denn 1. Beeinträchtig die Regelementierung und Kontrolle der Lebensmittel nicht das Genießen der Verbraucher, sondern nur die Freiheitsgrade der Vermarkter, und 2. hat diese Regelmentierung nicht nur etwas mit dem Existenziellen derLebensmittel zu tun, sondern mit der ständigen bereitschaft der Vermarkter, den Verbrauchern Unsinn und glatte Lügen aufzutischen. Beispielsweise, das probiotische Nahrungsergänzungen irgendwie gesund und abwehrstärkend sind. Mir ist es grad recht, dass dieser Blödsinn nicht auf die Verpackungen geschrieben werden darf.

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