Der Werber-Rat
Ein Kofferraum voll vermummter Kritiker

Heute gilt der Leitsatz: „Mache Dich selbst transparent - oder die Leute tun es!“ Jedes Unternehmen muss sich aber fragen, ob es die dafür notwendige kommunikative Konsequenz wirklich liefern kann.
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Es ist gut und gern zwei Jahre her, da stand ich mit einem staunenden Kollegen vor dem Heck meines mit allerlei Heimwerkerbedarf und Torfsäcken beladenen Wagens. Er riet mir dringend, einen „Kofferraum-Blog“ anzufertigen. Schließlich habe er nun seit Wochen beobachtet, dass ich da immerzu ganz erstaunliche Dinge transportieren würde - und das wäre doch für die Leute interessant.

Ich habe bis heute keinen Blog. Und auch noch nicht ein einziges „Selfie“ von mir und meinem Kofferraum gepostet. Wozu auch? Ich hätte ständig die Sorge, etwas zu verpassen, auf Kommentare zu spät zu reagieren. Und es mir mit vielen Leuten, die mir sehr am Herzen liegen, zu verscherzen. Also: erstmal nicht.

So oder ähnlich geht es Unternehmen, die sich irgendwann die Frage stellen, ob es nun nicht doch an der Zeit wäre, Präsenz in sozialen Netzwerken zu zeigen. Viele werden mir nun zurufen, dass das doch ganz selbstverständlich sei. Schließlich gelte heute ja der Leitsatz: „Mache Dich selbst transparent - oder die Leute tun es!“ Jedes Unternehmen muss sich aber fragen, ob es diese Transparenz, vor allem aber die dafür notwendige kommunikative Konsequenz, wirklich liefern kann.

Heute passiert nämlich alles nicht irgendwann, sondern jetzt. Wenn jemand ein Problem mit einer Firma oder einem Produkt hat, bleibt das nicht lange unterm Deckel. Eine unglücklich beantwortete Beschwerde reicht, um allerlei öffentlich zelebriertes Ungemach anzuziehen. Also: unbedingt wach bleiben!

„Mitmachen“ steht ebenfalls ganz oben auf dem Merkzettel. Die Leute sitzen aber nicht die ganze Zeit in den Startlöchern und lauern auf Mitmachgelegenheiten, die an ihren Bedürfnissen vorbeigehen. Also, nicht beleidigt sein, wenn am Ende statt der halben Republik doch nur eine einzige WG aus Marbach mitspielt.

Ganz schwierig wird es, wenn Unternehmen aus sicherer Deckung mit Schmutz beworfen werden. Um ihnen, in der Anonymität von Fantasienamen, mit schlimmen Schmähungen das Leben zur Hölle zu machen. 

Was will man machen? Ich fahre jede Woche in den Baumarkt. Und welche Torfsäcke ich da rausschleppe, geht niemanden was an. Auch, wenn mir #junkinmytrunk ziemlich gut gefällt.

Der Autor ist einer von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Der Autor:

Armin Jochum ist Vorstand Kreation und Co-Gründer der Agentur Thjnk. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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