Der Werber-Rat
Ein öder Wahlkampf

Amtsinhaberin Angela Merkel gegen Herausforderer Peer Steinbrück: Der Kampf scheint vorbei, bevor er richtig ins Laufen kam. Was läuft nur falsch beim ödesten Kampf ums Kanzleramt aller Zeiten?
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Im Kampf ums Kanzleramt fordert Peer "die Peitsche" Steinbrück die mächtigste Frau der Welt heraus: Angela "die Eiche" Merkel. Er qualifizierte sich nicht durch Ausscheidungskämpfe, sondern es fand sich kein Gegner und so wurde er kurzerhand in den Ring gestoßen. Noch ehe der Gong ertönte, holte ihn ein unfairer Rede-Honorarschwinger von den Beinen und Steinbrück kam aus dem Tritt. Dabei ist Steinbrücks verbale Gerade an den Kopf des Gegners eine starke Waffe. Doch ausgerechnet sein Schlachtruf "Das Wir entscheidet" war eine alte Kamelle und führte schon früh zum Punktabzug.

Der Herausforderer findet nicht in den Kampf. In der eigenen Ringecke ist das Schattenkabinett ein wirksames Mittel für Überraschungsangriffe, Befreiungsschläge und Punktsiege. Doch statt Entsetzen treibt die Ernennung seiner Mitstreiter Freudentränen in die Augen der Gegner. Gewogen und für zu leicht befunden sagen die Kampfrichter. Anstatt alles mit Gewicht und Namen in den Ring zu werfen, spaziert der Kandidat mit zwei Gesichtslosen zum Gespräch mit Präsident Barack Obama und vor die Kameras.

Seit der ersten Runde läuft jeder engagiert vorgetragene Angriff ins Leere — das macht müde und eine unglückliche Figur. Der Kampf scheint vorbei, bevor die Titelverteidigerin ins Schwitzen gekommen ist. Was tun? In ähnlich aussichtsloser Situation biss einst Mike Tyson seinem Gegner das Ohrläppchen ab. Doch wie soll Steinbrück jemanden besiegen, der nicht in den Infight geht?

Amerikanische Wahlkämpfer punkten durch drei Dinge: Erstens, gewinnende Sicherheit und mentale wie physische Stabilität. Zweitens, durch Variabilität sichtbare Wirkungstreffer setzen: Zu der trockenen Geraden müssen auch Haken und Schwinger kommen. Drittens, den eigenen Anhängern das Gefühl vermitteln Teil von etwas Großem zu sein. Fragen Sie Obama

Liebe SPD, fragt nicht, was der Kandidat für euch tun kann, fragt, was ihr für euren Kandidaten tun könnt — die lautstarke Unterstützung der eigenen Truppen verleiht Flügel. In der höchsten Gewichtsklasse genügt ein "Lucky Punch", um den Kampf zu entscheiden. Vielleicht wiegen Punktevorsprung und Sommerpause die Titelverteidigerin in betäubender Siegessicherheit. Ring frei.

Der Autor:

Frank Dopheide ist Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare zu " Der Werber-Rat: Ein öder Wahlkampf"

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  • Ja, öde, das stimmt.
    Leider ist die Ursachenforschung daneben gegangen.
    Da sind zwei "Verkäufer" zugange, die dasselbe verkaufen wollen, und einer kommt immer hinterher. Hätte er was anderes zu verkaufen, fände er vielleicht mehr Abnehmer. Wenn man Opposition machen will, dann darf man eben nicht denselben Schmonzes wie die Regierung machen, und so deren "alternativlosen" Unsinn noch adeln.
    Aber was will man von der SPD noch erwarten? Noch nicht mal mehr ihren 200. Geburtstag.

  • Dann schauen Sie doch mal nach.
    Oder muss man Ihnen alles servieren?
    „Kanzlerin Angela Merkel rührt sich erst jetzt, nachdem der Guardian enthüllt hat, dass auch interne Gespräche der Kommission und der Bundesregierung abgehört worden sind“, sagte Klaus. „Als es ,nur‘ darum ging, dass die Kommunikation der deutschen Bevölkerung und Wirtschaft milliardenfach überwacht wird, glänzte die deutsche Bundeskanzlerin durch Stillschweigen. Es stellt sich die Frage, ob die Kanzlerin weiß, dass sie nicht nur die Interessen der Regierung, sondern der gesamten Bevölkerung Deutschlands vertreten muss."

  • @HofmannM

    vollkommen richtig!!!
    Genau auch meine Meinung.

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