Der Werber-Rat
Eine neue Kultur des Spielens

Erwachsene haben heutzutage den Mut verloren, Dinge einfach auszuprobieren. Sie müssen das Kind in sich wecken, denn ohne Ausprobieren entsteht nichts Neues – vor allem in der Zeit der Digitalisierung und My little Box.

Letzte Woche tobten die Onlinemarketing-"Rockstars" in Hamburg. An die 10.000 Besucher füllten die Messehallen. Auf der Bühne erzählte die bezaubernde Amandine Péchiodat von ihrem Projekt "My little Paris". Was als Newsletter an 50 Freundinnen und Geheimtipps zum Savoir-vivre in Paris begann, wurde zu einer Community, der mittlerweile zwei Millionen Französinnen angehören.

Weil Amandine einfach aus Lust am Projekt begann, gab es anfangs auch keine Pläne zur Monetarisierung. Heute gibt es die "My little box", die in mehreren Ländern bestellt werden kann und die sorgsam kuratierte Artikel wie Kosmetik oder Designprodukte zu den Fans ihrer Community bringt.

Fragen Sie mal Ihren Kollegen, ob er Sie malen könne. In den meisten Fällen ist die Antwort: Ich kann doch nicht malen - und was soll das eigentlich? In den wenigsten Fällen wird einfach losgelegt und ausprobiert. Wir haben Angst zu scheitern und die Sorge, dass es nicht perfekt wird. Diesen Test setzt Google ein, um bewusst zu machen, dass wir Erwachsenen den Mut verloren haben, Dinge einfach auszuprobieren. Kinder dagegen legen einfach los. So auch meine Tochter, als ich diesen Test mit ihr machte.

Ohne Ausprobieren entsteht nichts Neues. Wir müssen das Kind in uns wecken. Spielen hat kein Anfang und kein Ende. Beim Spielen denken wir nicht ans Scheitern, und es gibt auch keinen Businessplan. Neue Produkte entstehen genau so.

Viele fordern eine Kultur des Scheiterns. Ich glaube an eine Kultur des Spielens und Ausprobierens. Spielen ist der beste Nährboden für Innovationen. Nur so werden wir mit der kalifornischen Kultur und der fortschreitenden Digitalisierung in Europa Schritt halten.

Fangen Sie noch heute an, Neues spielerisch auszuprobieren, und vielleicht entsteht dabei ein weiteres "My little Paris", was Sie sich übrigens unbedingt anschauen sollten.

Die Autorin: Franziska von Lewinski ist Vorstand der Agentur Fischer-Appelt. Sie ist eine von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Franziska von Lewinski
/ Kolumnistin
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