Der Werber-Rat
Einheitsbrei ist out

Erfolgreiche Gründer sollten den Wesenskern einer neuen industriellen Revolution erkennen: Das individuelle Produkt, das intelligent vernetzt und logistisch optimiert wird – und eben keine typische Massenware.
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Es war einmal … Drei junge Burschen saßen an einem See und schmiedeten Pläne. Bisher wussten sie nur eines: Sie wollten eine Firma gründen und selbstständig sein, mit möglichst geringen Risiken und möglichst guten Chancen. Da brachte sie der Blick in das stille Wasser auf eine Idee.

Täglich und überall auf der Welt stehen die Leute im Supermarkt vor dem Müsliregal und suchen nach der Mischung, die ihnen am besten mundet und der sie ihren ganz persönlichen Einstieg in den Tag anvertrauen wollen. Zwar gibt es einige Varianten, aber immer zwingt sie das schmale Angebot zu ärgerlichen Kompromissen.

Nüsse, Körner, Trockenfrüchte, gewalzt, gepresst, geschreddert: Immer bleiben Wünsche übrig, denn immer ist es konfektionierte Massenware im Durchschnittsgeschmack. Und die Körnermühle in der eigenen Küche ist nur die Illusion einer Lösung.

Wie wäre es, überlegten die drei Möchtegern-Gründer, die Leute bestellten per Internet ihr individuelles Müsli. Wir bauen die Mischmaschine, eine Art Geschmacksorgel mit beliebig vielen Registern aus Körnern, Nüssen, Rosinen. Jeder bekommt seine "custom-made cereals", seinen gesunden Frühstückskick, exakt und allergenfrei angepasst an die Geschmacksknospen seiner Zunge und die Erfordernisse seiner Peristaltik.

Die drei gründeten ihre Firma. Sie begannen mit Tüten. Sie steigerten sich zu Säcken. Heute ordern sie im Lastwagen. Jeder Kunde wird pünktlich beliefert. Er bezahlt gern und fühlt sich beschenkt. Sein Frühstück ist okay. Das pfiffige Trio erhielt den Gründerpreis 2013. Das Unternehmen macht Millionenumsätze und beschäftigt eine wachsende Belegschaft. Mehr noch: Der Blick ins stille Wasser des Sees war tief.

Er erkannte den Wesenskern einer neuen industriellen Revolution. Sie setzt nicht mehr auf das einheitliche Massenprodukt, dem sich auch der Verbraucher unterwirft. Sie produziert die angepasste Lösung: individuell, lokal und flexibel, dann allerdings intelligent vernetzt und logistisch optimiert. Einheitsbrei ist out.

3D-Drucker, urbanes Gärtnern, genossenschaftlich strukturierte Energiewende sind die Signale der neuen Zeit. Wer’s rechtzeitig kapiert, ist dabei.

Der Autor:

Bodo Hombach ist Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik.

Kommentare zu " Der Werber-Rat: Einheitsbrei ist out"

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  • Ach nee! Haben wir immer noch Sommerpause/Saure-Gurken-Zeit?

    Ein 3D-Drucker ist sowas von sinnlos, solange man damit keine eigenen Silizium-Chips oder Metallkonstruktionen drucken kann.

    Und mein Müsli stelle ich mir lieber selber zusammen aus frischen(!) Zutaten.

    Genossenschaftliche Energiewende? Ist das ein Konzept der Linken? Ich fange lieber selbst bei meinem Haus an und lieber preiswerter ohne eine "Genossenschaft".
    Man denke da nur mal an die Genossenschaftsbanken, die Einen jedes Jahr um einige Dutzend Euro zuviel erleichtern, obwohl man als Kunde mittlerweile wirklich die ganze Arbeit selbst macht! Und an die niedrigen Dispozinsen... lol.

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