Der Werber-Rat
Erfolg – eine Raketenwissenschaft

Großes beginnt oft in kleinen Räumen. Wer mag nicht den Gründungsmythos von Apple Co.? Firmen wie der Inkubator Rocket Internet lassen allerdings jegliche Gründungsnostalgie weit hinter sich.
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BerlinIch hatte mal einen Nachbarn, der ein großer Bordeaux-Liebhaber war. Er verstand sich auf allerlei Raritäten, von denen er mir ab und an eine staubige Flasche mit dem Kommentar „entweder hinüber oder eine Offenbarung“ vor die Wohnungstür stellte. So machte ich Bekanntschaft mit Garagenwinzern.

Und mir wurde klar: Großes beginnt oft in kleinen Räumen. Schließlich gab es noch den Apple-Mythos und andere Gründerlegenden, die man sich gerne bei einem Glas Rotwein zuraunte.

Damit ist es jetzt vorbei. Maximilian, einer unserer Strategen, beendete meine Gründernostalgie per E-Mail. Der Mythos nerdiger Unternehmer, die in dunklem Kellergelass oder in Garagen ihr Imperium begründen, sei Geschichte. Seit kurzem kursiere im Netz ein „streng vertrauliches“ Dokument über Rocket Internet, das ganz interessante Einblicke in den Kosmos des globalen Börsenstürmers gewährt.

Für alle, die Rocket Internet noch nicht kennen: Die Firma bezeichnet sich als weltgrößter Internet-Inkubator. Sie gründet Unternehmen am Fließband. Einige Beispiele: Zalando, Home24, Paymill, Zalora, Zando, Linio, Easytaxi. Die Namen kommen Ihnen bekannt vor? Das gehört zum Prinzip. Gegründet wird nämlich nur, was woanders schon funktionierte. Und grundsätzlich nur in Märkten mit einem Volumen von mindestens einer Milliarde Euro und einem Umsatzpotenzial von mindestens 100 Millionen Euro.

Jeder Firmenstart folgt einem ausgeklügelten Prozess. Von der Idee bis zur Gründung vergehen maximal 100 Tage. Weitere 100 Tage später soll das Unternehmen unabhängig sein. Paradebeispiel ist Helpling.de. 80 Tage nach Kick-off war das Berliner Unternehmen live und aktiv. Erstaunlicherweise stießen die Gründer erst zehn Tage nach Gründung zum Unternehmen.

Der Inkubator wurde 2007 gegründet und hat seitdem mehr als 100 Unternehmen in mehr als 50 Ländern aufgebaut – viele davon sind Marktführer. Im gesamten Unternehmensnetzwerk arbeiten heute mehr als 25.000 Leute.

Ich bin meinem damaligen Nachbarn ewig dankbar. Ein Schluck vom 89er Le Pin ist der tröstliche Beweis, dass es Dinge gibt, die man nicht kopieren kann. Und dass wirklich Großes in einer Garage seinen Anfang hat.

Der Autor:

Armin Jochum ist Vorstand Kreation und Co-Gründer der Agentur Thjnk. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare zu " Der Werber-Rat: Erfolg – eine Raketenwissenschaft"

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  • Erstmal sollte man nicht vergessen das die Samwer Brüder
    schon immer etwas mehr Cash hatten als andere Leute.

    Somit ist Rocket Internet nicht wirklich ein Start-Up
    oder innovatives Unternehmen sondern nicht mehr aber eben
    auch nicht weniger als ein Venture-Capital Geber.

    Die meiste Rendite bringen immer noch gute Ideen.
    Kapital wirkt bei guten Ideen wie ein Multiplikator es
    geht dann halt deutlich schneller.

    Nichts desto trotz entstehen schon nach wie vor viele
    Dinge noch im kleinen Kreis ohne wirklich viel Geld
    das kommt irgendwann von ganz alleine.

    Es gibt Dinge, wie Ideen, die kann man nicht kaufen
    für alles andere gibt es Investoren und Kredite.

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