Der Werber-Rat
Etwas mehr Emotionen, bitte!

Die Plattform „Oxford Dictionaries“ hat erstmals ein Emoji zu ihrem „Wort des Jahres“ gekürt. Einschlägige Digital-Knigges raten jedoch davon ab, Emoticons in privaten und geschäftlichen E-Mails zu verwenden – leider.

Digitale Nachrichten machen die Welt emotional ärmer, weil wir in der Kommunikation auf die vielleicht wichtigste uns Menschen angeborene Eigenschaft verzichten müssen: Gesagtes mit einem Lächeln, einem Augenbrauenaufschlag oder Zwinkern, herabgezogenen Mundwinkeln oder weit zum Lachen geöffnetem Mund zu „erklären“.

Jetzt hat die Plattform „Oxford Dictionaries“ erstmals ein Emoji zu ihrem „Wort des Jahres“ gekürt. Der Smiley mit den Freudentränen gebe am besten „die Gesinnung, die Stimmung und die Sorgen des Jahres 2015“ wieder, urteilte die Jury. In Großbritannien ist demnach jedes fünfte Emoji ein solcher Smiley mit Freudentränen, in den USA macht das "Wort des Jahres" immerhin 17 Prozent der verwendeten Emojis aus.

Und offenbar nicht nur in privaten Messenger-Konversationen von Jugendlichen, sondern auch in den Business-Mails von London bis Los Angeles. Dies hat für viele Diskussionen gesorgt: Ist ein Emoji überhaupt ein Wort? Das „New York Magazine“ hat amüsiert festgestellt, dass das „Tränen lachende Smiley“ 3.000 Jahre alte Schriftzeichen verdrängt hat. Ein wahrer Siegeszug der Emoticons. Offensichtlich haben wir verstanden, dass wir für die Kommunikation eigentlich Mimik und Gestik brauchen. Also eine Möglichkeit, unsere Gefühle zum Ausdruck zu bringen.

Und trotzdem raten in Deutschland die einschlägigen Digital-Knigges davon ab, Emoticons in privaten und geschäftlichen E-Mails zu verwenden. Das ist schade, schließen doch Emoticons das emotionale Loch in der digitalen Welt.

Der unlockere Umgang mit Smileys hierzulande sagt übrigens auch viel über unsere Auffassung aus. Gibt es eigentlich ein englisches Wort für bierernst? Ich finde, über diese Frage - und was sie über uns Deutschen offenbart - könnten wir auch mal nachdenken. Vor allem auch mit dem Ziel, Missverständnisse zu vermeiden.

Die Autorin: Franziska von Lewinski ist Vorstand der Agentur Fischer-Appelt. Sie ist eine von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Franziska von Lewinski
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