Der Werber-Rat
Facebook – nur Teil eines Werbesystems

Auch wenn jüngere Nutzer zunehmend andere Dienste bevorzugen, wird Facebook so schnell nichts an Attraktivität einbüßen. Außer die Freundeplattform verliert Vertrauen und damit Akzeptanz.
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Als die Idee Facebook im Februar 2004 online ging, war die Seite nicht mehr als ein digitales Jahrbuch der Harvard-University. Dass daraus eine weltweit vernetzte Community werden würde, hatte selbst Gründer Mark Zuckerberg, wie er jüngst bei einem Auftritt verriet, nicht gedacht. Zehn Jahre später hat Facebook 1,2 Milliarden Nutzer, macht 7,9 Milliarden Dollar Umsatz und einen Gewinn von 1,5 Milliarden Dollar. Und doch gibt es trotz beeindruckender Zahlen immer wieder kritische Stimmen, die dem Unternehmen eine düstere Zukunft vorhersagen.

Alternative digitale Angebote wie WhatsApp, Instagram oder Vine werden von den Nutzern schon aus purer Neugier ausprobiert. Das Internet neige zur Entstehung neuer Monopole, meint Wolfgang Kleinwächter von der Universität Aarhus. Ein neuer Service kann binnen kürzester Zeit Millionen Nutzer gewinnen.

Offensichtlich bricht jede Zeit ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten: Gestern noch galten Uniformität und Masse als Makel, heute generieren Massen neue Massen. Bedürfnisse, Begehrlichkeiten und Befindlichkeiten sind die Wachstumstreiber im Netz. Ob die neuen digitalen Angebote dauerhaft bestehen werden, bleibt abzuwarten. Bislang konnte keiner Facebook den Rang ablaufen.

Derzeit steigt gar die Nutzerzahl älterer Menschen, was vor allem der demografischen Entwicklung geschuldet ist, aber eben auch der Tatsache, dass keiner so geschickt Alltag und Erlebniswelt verknüpft wie Facebook.

Der Nutzer steht im Zentrum, allerdings nicht nur, was seine Bedürfnisse betrifft. Vorlieben und Abneigungen via Likes und Kommentare dienen vor allem der Kapitalisierung der Idee mittels Werbung. Nach und nach realisieren die Nutzer, dass sie Teil in eines Systems sind. Es sei wie eine ständige Rasterfahndung, schimpfen Kritiker. Und sie monieren: Facebooks Ziel sei es, das Wesen der Nutzer zu erahnen und zu vermarkten.

Spannend wird sein, wie Facebook sich weiterentwickelt, um Nummer eins zu bleiben. Neben Faktoren wie Benutzerfreundlichkeit und Funktionalität wird dabei entscheidend sein, ob es gelingt, das Vertrauen der Nutzer im Bezug auf den verantwortungsvollen Umgang mit deren Daten nicht nachhaltig zu gefährden.

Die Autorin:

Uli Mayer-Johanssen ist Gründerin und Chefin der Markenagentur Meta-Design in Berlin. Sie ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Uli Mayer-Johanssen
Uli Mayer-Johanssen
/ Kolumnistin

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