Der Werber-Rat
Feiertag fürs Marketing

Alle Feiertage haben ihren eigenen Marketingdreh. Ob Muttertag, Vatertag, Ostern, Valentinstag oder Halloween: Alles wird gebrandet. Nun naht Pfingsten – doch die Vermarktungsmaschine schläft.
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Seit Tagen zerbreche ich mir den Kopf: Nicht was Sie denken - ich weiß schon, was Pfingsten gefeiert wird. Ich frage mich - was soll ich bloß verschenken? Und wem? Schon vor ein paar Wochen kam der Gedanke - fast wie der heilige Geist - über mich, dass Pfingsten bisher schändlich vernachlässigt wurde.

Industrie und Vermarkter lassen seit Jahren diesen Anlass links liegen. Keine Branche hat sich seiner bemächtigt. Dabei sind die Vorbilder doch über das ganze Jahr verteilt, alle naselang wird man draufgestoßen, dass man als verantwortungsbewusster Bürger und Konsument bei vielen Anlässen Pflichten zu erfüllen hat.

Vatertag liegt gerade hinter uns - da hatten Bollerwagen, Bier und Booze Hochkonjunktur. Über die Herren der Schöpfung kam da jede Menge Geist - allerdings eher aus Flaschen als vom Himmel. Am Muttertag klingelt die Kasse bei den Floristen. Immerhin soll Mutti zumindest einmal im Jahr sehen, wie gern wir sie haben. Und das drückt so ein Bund Tulpen ja perfekt aus.

An Ostern haben wir gefälligst Eier für die Kleinen zu besorgen, solche aus Schokolade, versteht sich, nicht schnöde Hühnereier. Der Valentinstag erfreut wiederum die Händler mit den güldenen Geschmeiden in den Auslagen sehr. Und natürlich die Floristen.

Noch raffinierter als alle Vorgenannten haben sich die amerikanischen Süßigkeiten-Fabrikanten angestellt, als sie Halloween für ihre Zwecke kaperten. Vom ursprünglichen Sinn blieb da nicht mehr viel übrig. Auch in Deutschland sind die neuen Bettelbräuche wohl schon populärer als das traditionelle Rübengeistern. Und Kürbis- und Gruselvarianten haben längst die Fruchtgummitüten oder das Minisalami-Regal erobert.

Umso rätselhafter, dass ein deutschlandweiter Feiertag ungenutzt verstreicht. Pfingsten wird bisher nicht vermarktet. Schwächeln etwa die Marketingexperten unter den Blumenhändlern? Es gibt doch auch Pfingstrosen! Aber vielleicht ist es ja am geistreichsten, wir belassen Pfingsten, wie es immer war. Mehr dem Gedenken gewidmet als dem Schenken. In Zeiten in denen jede Fläche und jeder Moment vermarktet wird, können wir den Menschen ein paar werbefreie Rückzugsgebiete gönnen - und den Marketingverantwortlichen einen Feiertag.

Der Autor:

Torben Bo Hansen ist Mitinhaber der Agentur Philipp und Keuntje.

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