Der Werber-Rat
Fleischlos fasten

Der kulinarische Nährwert von Gemüse-Frikadellen mag durchaus umstritten sein. Fest steht hingegen: Der Trend zur vegetarischen Ernährung ist unumkehrbar. Und das nicht nur in der Zeit zu Ostern.
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In der Zeit vor Ostern verzichte ich konsequent auf bestimmte Lebens- und Genussmittel, aber auch auf einige lieb gewonnene Gewohnheiten. Für mich ist das Fasten zu einem Ritual geworden, das mich schon seit einigen Jahren begleitet. Momentan beobachte ich, dass Fasten zum Trend wird. Detoxing lautet das neue Modewort, der vegetarische oder vegane Lebensstil ist en vogue. Alles nur ein kurzfristiger Trend oder doch eine nachhaltige Veränderung?

Die Hersteller von Lebensmitteln reagieren verhalten. Nur 1,2 Prozent ihres Umsatzes entfallen auf vegetarische oder vegane Produkte. Dabei ernähren sich mittlerweile rund 10 Prozent der Bevölkerung entsprechend, Tendenz steigend. Veggie World Communities veranstalten Messen für nachhaltiges Genießen, Gourmet-Rohkost ist in aller Munde und Smoothie die neue Lieblingsmahlzeit in Büro, Bar und Restaurant – neuerdings auch am Flughafen Düsseldorf.

Ein weiteres Zeichen, dass sich die Zeiten ändern: Die Rügenwalder Mühle, die seit 180 Jahren Würstchen und Frikadellen produziert, geht neue Wege. Derzeit läuft ihre Kampagne für vegetarische Produkte. Das Angebot ist breit, es reicht vom Schinken über Mortadella bis hin zu Frikadellen, alles fleischfrei.

Ich lebe seit 15 Jahren vegetarisch und muss gestehen, dass ich bisher weder vegetarischen Schinken noch fleischlose Mortadella vermisst habe. Und ich kenne auchkeinen Vegetarier, der sich nach Frikadellen sehnt. Über Geschmack lässt sich trefflich streiten, unstrittig ist: Die vegetarisch- vegane Lebensweise ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen und bietet Potenzial für die Ernährungswirtschaft. Diese wird sich darauf einstellen müssen, dass eine wachsende Bevölkerungsgruppe Geschmack findet an einer pflanzlichen Lebensweise.

Ich glaube nicht an einen kurzfristigen Trend, ich glaube an die nachhaltige Veränderung der Lebensweise. Bis es so weit ist, wird es ein kleiner Teil der Bevölkerung bleiben, der nicht nur in der Fastenzeit darauf achtet, was er isst und trinkt. Alle anderen verfallen spätestens zu den Osterfeiertagen wieder den alten Gewohnheiten – und legen dann einmal im Quartal ein Detoxing ein, um den Körper zu „entgiften“.

Die Autorin:
Marianne Heiß ist Finanzchefin der Agentur BBDO Germany. Die Autorin ist eine von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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