Der Werber-Rat
Frau Wulff und das PR-Gewitter

Mit „Jenseits des Protokolls“ wollte Bettina Wulff ihrem Image einen Sympathieschub verpassen. Doch die PR-Strategin hat sich von den falschen PR-Strategen beraten lassen. Dabei hätte alles so einfach sein können.
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Der Schuster hat immer die schlechtesten Schuhe, sagt der Volksmund. Insofern ist es kein Wunder, was Bettina Wulff, Chefin der gleichnamigen PR-Beratung, gerade widerfährt. Vermutlich wird kein Unternehmen dort in absehbarer Zeit eine seriöse PR-Strategie in Auftrag geben. Dabei ging alles so schön los.

Dachte man zuerst, nur ihr Ehemann sei ein Hasardeur im Umgang mit den Medien, zeigt sich nun: Die ehemalige First Lady steht ihrem Gatten in nichts nach. Sie reichte zwei publikumswirksame Klagen ein, eine gegen Deutschlands TV-Liebling Günther Jauch, die zweite gegen den Weltkonzern Google, gab vier Exklusivinterviews, bekam drei Bild-Titel und Berichte hoch und runter in allen Medien. Ein PR-Feuerwerk der Extraklasse und bis hierhin ein klarer Anwärter auf den Deutschen PR-Preis 2012.

Selten zuvor hat ein Buch inklusive seiner Autorin so viel Aufmerksamkeit bekommen. Allerdings: Selten zuvor hat ein Buch vorab so vernichtende Kritiken bekommen und selten war durch zu viele Zitate daraus so schnell klar, dass da gerade ein ganz dünnes Süppchen erhitzt wird. Frau Wulff hat das PR-Gewitter zwar nicht erdacht, aber sie hat mitgemacht, was der umtriebige Riva-Verlag geplant hat. Dem Buch hat es geholfen (es liegt in den Media-Control-Charts auf Platz eins), Frau Wulff eher nicht. Statt des erhofften Image-Sonnenscheins zog ein Gewitter über ihr auf. Der erhoffte Sympathieschub fiel gegenteilig aus, statt Verständnis schlagen ihr Ablehnung und Häme entgegen.

Und hatten vorher nur wenige Deutsche von ihrer angeblichen Rotlichtvergangenheit gehört, so dürften jetzt alle davon wissen. Dem Verlag kann's egal sein. Das Buch wird sich verkaufen, weil die Menschen - ganz gleich ob positive oder negative Presse - neugierig sind und gierig nach Tratsch.

Dass die Autorin jetzt TV-Auftritte und Lesungen absagt, sorgt für Gesprächsstoff und wird dem Absatz nicht schaden. Frau Wulff hingegen schon. Denn die alte Regel "Negative Presse ist auch Presse" mag für die Vermarktung eines Buches gelten. Zur Verbesserung des eigenen Images taugt diese Strategie nicht. Dabei hätte alles so einfach sein können. Alle Großunternehmen haben soziale Engagements und suchen immer nach gut bezahlten Prominenten, um die guten Taten ins Licht der Öffentlichkeit zu bringen. Ein Job wie gemacht für die Gattin eines ehemaligen Bundespräsidenten. Genau das hätte ihr jeder anständige PR-Berater als Betätigungsfeld empfohlen.

Der Autor:

Stefan Kolle ist Geschäftsführer Kreation der Agentur Kolle Rebbe in Hamburg. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare zu " Der Werber-Rat: Frau Wulff und das PR-Gewitter"

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  • Mich erschreckt vor allem die durchweg negative, hämische und zum Teil verzerrende Berichterstattung über den vollkommen berechtigten Versuch von Frau Wulff, mit der übelsten Verleumdungskampagne, mit der je eine Politikerehefrau in diesem Land konfrontiert wurde, umzugehen. Nicht Frau Wulff jetzt, sondern seinerzeit Herr Jauch war es, der das infame Internetgerücht - natürlich nur als Andeutung und "Zitat" - in die breitere Öffentlichkeit gezerrt hat. Juristisch und logisch vollkommen nachvollziehbar auch gegen ihn rechtliche Schritte einzuleiten. Übrigens sind alle von Bettina Wulff bisher eingeleiteten juristischen Schritte in dieser Sache erfolgreich und kein einziger Blogger, Verlag oder Journalist hat auch nur den Hauch eines Beweises liefern können. Dass der Verlag dies für die Veröffentlichung des Buches nutzt, regt mich keineswegs auf. Soweit ich das mitbekomme, sind jeder Verlag und die meisten Autoren mehr als bemüht ihre Nasen in jede verfügbare Kamera, Talkshow, etc. zu stecken, sobald die Veröffentlichung eines Buches ansteht. Aber wehe, wenn das bei den vermeintlichen "Gierhälsen der Nation" genauso gemacht wird. Mich lässt bei all dem der Verdacht nicht los, dass es weiten Teilen der Presse einfach nicht zusagt, wie sie und ihre Rolle - sowohl was die Anschuldigungen gegen C. Wulff als auch die frei erfundenen Gerüchte über B. Wulff angeht - im Buch "Jenseits des Protokolls" wegkommen. Anscheinend ist man nicht bereit einzustecken, was man sonst so gerne an andere austeilt und was diese dann auch noch möglichst brav und treudoof erdulden sollen... ganz schön armselig!

  • Unsinn, weder werde ich das Buch kaufen (weil es einfach zu schlecht ist), noch diese schäbige Antikampagne dulden.
    Und die Häme die sie an den Tag legen ist mehr als bedenklich.
    Offensichtlich nichts verstanden! Es geht gerade darum, sich weder für die eine noch die andere Seite vor dne Karren spannen zu lassen.

    H.

  • interessant, dass Handelsblatt noch über dieses Buch jetzt schreibt; war das nicht ein "Thema" der letzte Woche?
    Nachrichten von gestern will keiner mehr lesen. Wenn jemand meint, er braucht dieses Buch zu lesen, soll er es kaufen, oder sein lassen.
    Dass die Frau Wulff damit kein Gefallen getan hat, dass bereut sie jetzt bestimmt schon, sonst hätte sie nicht alle Termine abgesagt. Tja, eine PR-Frau, ich weiss es nicht... ein Uni-Abschluss hat sie nicht
    aber, wissen Sie, die Leute sind unheimlich schnell, wenn es darum geht, andere zu kritisieren

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