Der Werber-Rat
Führung im Kreuzfeuer

Die Debatte, ob die einen zu lange und die anderen nicht lange genug an der Macht bleiben, hat begonnen. Aber trifft sie den Kern des Problems? Und was bedeutet das für Firmen und Marken?
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Die Schlagzeilen über Führungswechsel und deren Hintergründe beherrschen seit Tagen die Medien: Gerhard Cromme kündigt nach zähem Ringen seinen Rückzug als Aufsichtsratschef von Thyssen-Krupp an. Hartmut Mehdorn wird neuer Geschäftsführer des Berliner Flughafens BER. Ein Himmelfahrtskommando, wie Skeptiker unken. Der Papst und sein würdevoller Rücktritt bescheren der katholischen Kirche ungeteilte Aufmerksamkeit. Telekom-Chef René Obermann wechselt zum wesentlich kleineren holländischen Kabelanbieter Ziggo. Die holländische Königin Beatrix übergibt das Amt in Kürze an ihren Sohn.

Während die einen nicht von der Macht lassen können, ziehen die anderen bewusst einen Schlussstrich unter ihre (Konzern-) Karriere, um sich wieder dem Kunden widmen zu können. Privilegien wie Prestige, Geld und Macht scheinen nicht mehr die Hauptrolle zu spielen. Was aber bedeutet es für Unternehmen und Marken, wenn jene, die bleiben, als rückständig gelten, während jene, die gehen, als die neuen Helden der Führungsetagen gehandelt werden? Marken leben von Konstanz und Glaubwürdigkeit.

Wer könnte dies besser transportieren als Persönlichkeiten, die ihre Insignien der Macht verantwortungsvoll transportieren? Beide müssen wissen, dass sie im Dienst des Unternehmens und letztlich im Dienst der Idee und des Markenversprechens stehen. Konstanz und Erneuerungskraft braucht es in gleichem Maße.

In unserem Garten ist immer mal wieder ein prächtiger Raubvogel zu Gast. Reglos und unbeeindruckt verfolgt er das bunte Treiben. Den aufgeregt Suchenden scheint er vermitteln zu wollen: In der Ruhe liegt die Kraft. Auch Veränderungs- und Erneuerungsprozesse brauchen jene Gelassenheit, die Neuem gegenüber aufgeschlossen bleibt und dennoch nicht alles über Bord wirft, was gestern noch als erstrebenswert galt.

Vielleicht wäre es an der Zeit, nachzudenken, wie wir miteinander arbeiten, damit Erfahrung und Kompetenz auf der einen Seite und Innovationskraft und Neugier auf der anderen Seite gleichermaßen zur Entfaltung kommen. Damit weder verkrustete Strukturen und bürokratische Hürden noch ständige Kurswechsel die Mitarbeiter, Kunden und Märkte zur Verzweiflung treiben.

Die Autorin:

Uli Mayer-Johanssen ist Gründerin und Chefin der Markenagentur Meta-Design in Berlin. Sie ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Uli Mayer-Johanssen
Uli Mayer-Johanssen
/ Kolumnistin

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