Der Werber-Rat
Fußball goes Turkey

Der ehemalige Bundesligist Wattenscheid 09 hat eine Partnerschaft mit dem türkischen Spitzenklub Galatasaray Istanbul vereinbart. Ein Beispiel, das Schule machen sollte.
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Am Mittwoch wurde eine besondere Kooperation im deutschen Fußball verkündet. Der ehemalige Bundesligist und aktuelle Regionalligist Wattenscheid 09 hat eine Partnerschaft mit dem türkischen Spitzenklub Galatasaray Istanbul abgeschlossen. Die Kooperation umfasst neben Finanzspritzen auch die Förderung der Jugendarbeit. Das mittelfristige Ziel: die Rückkehr des Bochumer Stadtteilvereins in den Profifußball.

Aus strategischer Sicht eine Win-win-Situation: Seit Jahren versuchen der türkische Fußballverband und die Istanbuler Spitzenvereine, deutsch-türkische Talente in die Süper Lig zu holen oder sie dafür zu begeistern, für die türkische statt der deutschen Nationalmannschaft aufzulaufen. Kein Wunder, bei begehrten Spielern wie Halil und Hamit Altintop, Nuri Sahin, Ilkay Gündogan oder Mesut Özil. Nun hat Galatasaray Istanbul Zugriff auf eine Talentschmiede im deutschen Fußball. Während Wattenscheid 09 eine Plattform kreiert, um aktiv türkische Fans und Geschäftsleute in Deutschland anzusprechen.

Ist der Markt voll besetzt, sind Minderheiten eine dankbare Zielgruppe. Bayern, Schalke und Dortmund – nur drei Beispiele von Bundesliga-Vereinen, die durch ihren fußballerischen Erfolg und den daraus resultierenden Vermarktungserfolgen dem Rest nahezu uneinholbar entrückt sind. Um im Konzert der Großen mitspielen zu können, braucht es innovative Ansätze.

Abseits von Finanzinvestoren besteht ein Weg in der gezielten Ansprache der türkischen Bevölkerung. Mehr als 1,5 Millionen Türken wohnen in Deutschland. Die Fußballbegeisterten unter ihnen zählen zu den emotionalsten und treusten Fans. Bisher wird in Deutschland dieses Potenzial aber mangels einer gezielten Ansprache verschenkt. Die Kooperation von Wattenscheid ist ein erster Schritt. Doch es geht noch mehr.

Eine Idee könnte es sein, der erste deutsch-türkische Profiverein in Deutschland zu werden. Dafür bedarf es neben dem Mut einer Neuausrichtung auch einer gezielten Ansprache von Fans und Sponsoren. Vermutlich ist dies die einzige Möglichkeit, um in Städten wie Duisburg in Zukunft auch sagen zu dürfen: „Bundeslige çkmanzdan dolay tebrik ederizu!“ Zu Deutsch: Wir gratulieren zum Aufstieg in die 1. Bundesliga!

Der Autor:
Raphael Brinkert ist Mitinhaber der Agentur Jung von Matt/Sports. Er ist einer von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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