Der Werber-Rat Gabriel hat das Boxer-Gen

ZDF-Moderatorin Marietta Slomka und SPD-Chef Sigmar Gabriel lieferten sich einen minutenlangen Schlagabtausch, der in die TV-Geschichte eingehen wird. Klarer Sieger - aus Markensicht - ist Gabriel.
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Screenshot des denkwürdigen Gesprächs zwischen Sigmar Gabriel und Moderatorin Marietta Slomka. Quelle: dpa

Screenshot des denkwürdigen Gesprächs zwischen Sigmar Gabriel und Moderatorin Marietta Slomka.

(Foto: dpa)

Von Boxchampion Mike Tyson stammt der Satz: „Jeder hat einen Plan. Bis er zum ersten Mal getroffen wird.“ Dieses Gesetz gilt augenscheinlich auch für Schwergewichte anderer Disziplinen. Vergangene Woche hatte Marietta Slomka zur besten Sendezeit SPD-Chef Sigmar Gabriel herausgefordert. Statt sich mit vorsichtigem Abtasten aufzuhalten, schlug sie ihm in der ersten Sekunde eine satte Behauptung an den Kopf.

Das zwang ihn aus der Deckung, und die beiden lieferten sich vor fünf Millionen Zuschauern einen minutenlangen Schlagabtausch, der in die Fernsehgeschichte eingeht. Don King, der sturmfrisierte Boxpromoter, hätte seine helle Freude an diesem Spektakel gehabt.

Frank Dopheide ist Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit.

Frank Dopheide ist Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit.

Seither diskutieren Experten, wer als Sieger aus dem Ring gestiegen ist. Aus Markensicht hat Gabriel das Gefecht klar für sich entschieden. Schließlich kämpft er nicht gegen Slomka - er kämpft um seine Zukunft. Die 474.820 SPD-Mitglieder sind die wichtigen Punktrichter. Dass Gabriel ohne Rücksicht auf Verletzungen für ihr Mitbestimmungsrecht in den Infight ging, bleibt auf ihren Punktezetteln nicht ohne Wirkung. Nichts schließt die eigenen Reihen besser als eine Bedrohung von außen.

Und den Wechselwählern gönnte er einen Blick hinter die Maske des Politprofis. Sie sahen, auch in unbedachten Momenten ist Gabriel wie Gabriel: kampflustig, wortgewandt, mit Nehmerqualitäten und Schweiß auf der Stirn. Damit gewinnt das Schwergewicht keine Sympathiepunkte, aber Glaubwürdigkeit - und die zählt in der Politik doppelt und dreifach. Mit dem Wortgefecht hat der Kämpfer Boden gutgemacht. Er dominiert die politische Arena. Denn die amtierende Schwergewichtskanzlerin tritt nach ihrem eindrucksvollen Sieg kaum noch in Erscheinung.

Aber das ist ein anderer Kampf. Angela Merkel weiß: Um ihre Wunschkoalition zu schmieden, darf sie dem wackeligen Mitstreiter keine Nackenschläge auf offener Bühne verpassen. Anders als beim Boxen wird in der Politik vornehmlich hinter den Kulissen gekämpft. Ich empfehle deshalb die Liveübertragung dieses geheim gehaltenen Schlagabtauschs. Die würde traumhafte Quoten bringen und beim Unterhaltungswert selbst „Wetten, dass ..?“ locker umhauen.

Der Autor:

Frank Dopheide ist Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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10 Kommentare zu "Der Werber-Rat: Gabriel hat das Boxer-Gen"

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  • "Gabriel hat das Boxer-Gen"
    Lasst doch die blöden Vergleiche,die armen Hunde können doch nichts dafür.

  • "Herr Gabriel jedenfalls, fand ich, hat sich redlich Mühe gegeben, ihr das zu erklären. Vermutlich ohne Erfolg. Aber solche Kenntnisse sind ja auch nicht wichtig, um eine Nachrichtensendung zu verkaufen. "

    *g*
    Jep, Frau Slomka hat ihre Qualitäten, ohne Frage. Und wenn es diese ist, ihre eigene Unkenntnis zu dokumentieren.
    Oder warum Mitglieder, egal welcher Organisation nicht abstimmen dürfen sollten, wenn es um Verträge geht, sei es auch in Sachen Regierungsbildung.
    Irgendwie hatte ich so das Gefühl, von Basisdemokratie hält sie nicht viel. Deswegen mußte sie auch die Frage von Gabriel, warum die CDU/CSU das von der Führungsriege bestimmen läßt, wohl besser nicht beantworten.
    Mir schien diese Frage hat sie ein bischen aus ihren schönen "Kampfkonzept" geworfen.

  • Trotz allem hätte ich sie lieber im Bett als den fetten Lehrer!

  • Marietta ist für ihre Stutenbissigkeit bekannt.

    Dass sie diesmal besonders rauf-und angriffslustig
    daherkam, war einem simplen Umstand geschuldet:
    Sie stand kurz vor ihrer Periode.

    Beim Rückkampf hält Gabriel ihr ein Schächtelchen
    mit Menstruationsschutz unter die Nase.
    Er wird den Ring als Knock-Out-Sieger verlassen.

  • Vorgeblich war das Interview Teil einer Nachrichtensendung, die nicht in erster Linie für Markenexperten oder Berufskommunikateure gemacht wird, sondern für den politisch interessierten Bürger. Was hat er dabei über die ihn betreffenden Angelegenheiten erfahren: eine Blase von für ihn Belanglosem. Aufregung, Steigerung, Ausweitung und Betäubung und jede Menge Ressentiment und Unbedarftheit. - Wahrlich, ein Meilenstein der Fernsehgeschichte. Vermutlich wird Frau Slomka dafür von ihresgelichen wieder einen Preis erhalten und sich dann erst recht für eine große Journalistin halten, während mich Zweifel beschleichen, ob sie überhaupt weiß, wie in Deutschland die parlamentarische Demokratie funktioniert und welche Rolle dabei Wähler und Parteien spielen. Herr Gabriel jedenfalls, fand ich, hat sich redlich Mühe gegeben, ihr das zu erklären. Vermutlich ohne Erfolg. Aber solche Kenntnisse sind ja auch nicht wichtig, um eine Nachrichtensendung zu verkaufen.

  • Aha, ein Politiker, der nicht in der Lage ist mit Kritik umzugehen und lediglich mit Gegenangriffen, geifernden Verweisen auf die CDU und Totschlagargumenten ("Quatsch") antwortet, soll glaubwürdig sein? Sind wir allen Ernstes schon so bescheuert, dass wir uns von inhaltsleeren Phrasen beeindrucken lassen? Also ich nicht.
    Naja die Ausführungen des "Werberats" sind ja nicht selten recht einfach gestrickt

  • Man muss neidlos anerkennen, dass Gabriel den Schlagabtausch eindrucksvoll für sich gewonnen hat, ohne aus der Haut zu fahren. Seine dümmlich aggressive Gegnerin Slomka hat nicht das Talent von Diplomatie, menschlicher Kontaktfähigkeit und schneller Reaktion. Sie sollte sich als simple Sprecherin an ihren Text klammern können. Die Dame sieht ihre eigenen Grenzen nicht vor lauter Ehrgeiz. Unsympathisch!

  • wie lange wird denn noch um dieses dämliche Interview Schlagzeilen gemacht.
    Dann schreibt doch lieber wieder euren täglichen Tratsch über die FDP, die trotz massiver Berichtserstattung durch die Medienorgane, das Feld räumen musste.
    Immerhin hat der mündige Wähler doch erkannt, welche Schmarotzer Partei dahintersteckt.
    Und jetzt noch Gabriel als Boxer darzustellen, ist echt schon Bild-Zeitung reif.


  • Zitat : Klarer Sieger - aus Markensicht - ist Gabriel.

    - was ist denn eine Markensicht ? Ist es die Sicht der Marke Kitticat...?

    Unfassbar, was für ein Unsinn hier fabriziert wird !

  • Gabriel hat das Boxer-Gen

    Ja, bestenfalls als Punchingball.

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