Der Werber-Rat
Gabriel hat das Boxer-Gen

ZDF-Moderatorin Marietta Slomka und SPD-Chef Sigmar Gabriel lieferten sich einen minutenlangen Schlagabtausch, der in die TV-Geschichte eingehen wird. Klarer Sieger - aus Markensicht - ist Gabriel.
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Von Boxchampion Mike Tyson stammt der Satz: „Jeder hat einen Plan. Bis er zum ersten Mal getroffen wird.“ Dieses Gesetz gilt augenscheinlich auch für Schwergewichte anderer Disziplinen. Vergangene Woche hatte Marietta Slomka zur besten Sendezeit SPD-Chef Sigmar Gabriel herausgefordert. Statt sich mit vorsichtigem Abtasten aufzuhalten, schlug sie ihm in der ersten Sekunde eine satte Behauptung an den Kopf.

Das zwang ihn aus der Deckung, und die beiden lieferten sich vor fünf Millionen Zuschauern einen minutenlangen Schlagabtausch, der in die Fernsehgeschichte eingeht. Don King, der sturmfrisierte Boxpromoter, hätte seine helle Freude an diesem Spektakel gehabt.

Seither diskutieren Experten, wer als Sieger aus dem Ring gestiegen ist. Aus Markensicht hat Gabriel das Gefecht klar für sich entschieden. Schließlich kämpft er nicht gegen Slomka - er kämpft um seine Zukunft. Die 474.820 SPD-Mitglieder sind die wichtigen Punktrichter. Dass Gabriel ohne Rücksicht auf Verletzungen für ihr Mitbestimmungsrecht in den Infight ging, bleibt auf ihren Punktezetteln nicht ohne Wirkung. Nichts schließt die eigenen Reihen besser als eine Bedrohung von außen.

Und den Wechselwählern gönnte er einen Blick hinter die Maske des Politprofis. Sie sahen, auch in unbedachten Momenten ist Gabriel wie Gabriel: kampflustig, wortgewandt, mit Nehmerqualitäten und Schweiß auf der Stirn. Damit gewinnt das Schwergewicht keine Sympathiepunkte, aber Glaubwürdigkeit - und die zählt in der Politik doppelt und dreifach. Mit dem Wortgefecht hat der Kämpfer Boden gutgemacht. Er dominiert die politische Arena. Denn die amtierende Schwergewichtskanzlerin tritt nach ihrem eindrucksvollen Sieg kaum noch in Erscheinung.

Aber das ist ein anderer Kampf. Angela Merkel weiß: Um ihre Wunschkoalition zu schmieden, darf sie dem wackeligen Mitstreiter keine Nackenschläge auf offener Bühne verpassen. Anders als beim Boxen wird in der Politik vornehmlich hinter den Kulissen gekämpft. Ich empfehle deshalb die Liveübertragung dieses geheim gehaltenen Schlagabtauschs. Die würde traumhafte Quoten bringen und beim Unterhaltungswert selbst „Wetten, dass ..?“ locker umhauen.

Der Autor:

Frank Dopheide ist Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare zu " Der Werber-Rat: Gabriel hat das Boxer-Gen"

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  • "Gabriel hat das Boxer-Gen"
    Lasst doch die blöden Vergleiche,die armen Hunde können doch nichts dafür.

  • "Herr Gabriel jedenfalls, fand ich, hat sich redlich Mühe gegeben, ihr das zu erklären. Vermutlich ohne Erfolg. Aber solche Kenntnisse sind ja auch nicht wichtig, um eine Nachrichtensendung zu verkaufen. "

    *g*
    Jep, Frau Slomka hat ihre Qualitäten, ohne Frage. Und wenn es diese ist, ihre eigene Unkenntnis zu dokumentieren.
    Oder warum Mitglieder, egal welcher Organisation nicht abstimmen dürfen sollten, wenn es um Verträge geht, sei es auch in Sachen Regierungsbildung.
    Irgendwie hatte ich so das Gefühl, von Basisdemokratie hält sie nicht viel. Deswegen mußte sie auch die Frage von Gabriel, warum die CDU/CSU das von der Führungsriege bestimmen läßt, wohl besser nicht beantworten.
    Mir schien diese Frage hat sie ein bischen aus ihren schönen "Kampfkonzept" geworfen.

  • Trotz allem hätte ich sie lieber im Bett als den fetten Lehrer!

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