Der Werber-Rat
Gehirnzellen auf Eis

Facebook und Apple gehören zu den erfolgreichsten Marken der Welt. Aber auch das beste Image kann man schädigen. Zum Beispiel mit einer bizarren Eizellenidee, die jetzt in USA geplant wird.
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Vergangene Woche habe ich mich an dieser Stelle darüber aufgeregt, dass die Zahl der Frauen in Führungspositionen in der Kommunikationsbranche drastisch gesunken ist. Kaum war der Text dazu abgegeben, kam die Meldung, dass Facebook und Apple jetzt das perfekte Gegenmittel gefunden haben, um das zu ändern: Sie bieten ihren Arbeitnehmerinnen an, ihre Eizellen auf Kosten der Firma einzufrieren.

Erst die Karriere. Und dann bitte die Familienplanung. Realsatire? Eine Meldung aus Einfallspinselhausen? Nehmen die da interessante Drogen in der PR-Abteilung, die den gesunden Menschenverstand außer Kraft setzen? Machen die eventuell ein seltsames Experiment, das den Verlauf von Shitstorms im Internet aufzeigen soll?

Ich kann es mir nicht erklären. Haben wir es doch mit zwei Unternehmen zu tun, zu deren DNA Kommunikation gehört. Wenigstens die sollten doch wissen, wie’s geht. Hinter dieser scheinbaren Fürsorglichkeit steckt ein zutiefst menschenfeindliches Weltbild.

Die Botschaft ist: Wir erwarten von dir, dass du deinen Körper in deinen schaffenskräftigen Jahren zwischen 20 und 40 voll und ganz der Firma zu Verfügung stellst. Falls es dir gelingen sollte, während deiner 80-Stunden-Woche auch noch jemanden kennen zu lernen, der sich vorstellen kann, mit dir eine Familie zu gründen, freut euch auf die Zeit, wenn die Firma euch sowieso wieder loswerden will. Nämlich genau dann, wenn ihr alt und teuer seid. Dann könnt ihr euch auf die Brut konzentrieren.

Und was passiert mit den Mitarbeiterinnen, die keine Eizellen auf Eis legen wollen? Machen die sich nicht verdächtig, dass sie störrische Karriereverweigerinnen sind, die man tunlichst von der Gehaltsliste streichen sollte?

Ich habe den Verdacht, dass Menschen, die sich solche Sachen ausdenken, aus Versehen ihre Gehirnzellen auf Eis gelegt haben. Auch wenn Apple und Facebook zu den wertvollsten Marken der Welt gehören. Das muss ja nicht so bleiben. Immerhin macht auch der Umgang mit den eigenen Mitarbeitern einen wichtigen Anteil vom Markenimage aus. Eine aktuelle Studie dazu sagt, das sind mindestens 15 Prozent. Mit solchen Ideen kann man sein Image schön nachhaltig schädigen.

Die Autorin:

Britta Poetzsch ist Head of Lifestyle der Agenturgruppe Serviceplan. Sie ist eine von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im Wechsel über Kommunikation schreiben.

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