Der Werber-Rat
Gelungene Stadtwerbung ist eine Kunst

Ab und an schlägt die große Stunde des Stadtmarketings. Auch für die Stadt Hamburg – vor allem wegen der Olympischen Spiele. Denn die sind mehr wert als Eigenwerbung und würden die Hansestadt zum Tor der Welt machen.

Unlängst fuhr ich mit der Bimmelbahn durch ein lauschiges Städtchen und staunte nicht schlecht. In einem Faltprospekt las ich den kommunikativen Schlachtruf jenes Landstrichs und wunderte mich. "Niedersachsen, immer eine gute Idee" stand da. Ärgerlich belanglos. Ich erinnerte mich an die vergleichsweise disruptive Vorgängerkampagne der Agentur Jung von Matt "Sie kennen unsere Pferde. Erleben Sie unsere Stärken." - mit versteckten Pferdeäpfeln und mutigen Schlagzeilen auf jedem Plakat. Ein Vergnügen für den geneigten Betrachter, ein Ritterschlag für die Marketingverantwortlichen.

Ähnlich erstaunlich und nicht weniger aufmerksamkeitsstark die Kampagne von Baden-Württemberg: "Wir können alles. Außer Hochdeutsch." Steht da heute noch in jeder Werbeanzeige. Unvergessen der Film mit Unternehmerlegende und Schrauben-Herrgöttle Reinhold Würth, der am Schluss einen Nagel in die Wand schlägt. Unterhaltsame Städtewerbung ist eine Kunst.

Ab und an schlägt allerdings die große Stunde des Stadtmarketings. Dann nämlich, wenn sich die Chance ergibt, etwas zu tun, das mit einem einzigen mutigen Schritt eine Stadt in eine neue Schublade schiebt. Eine mutige Initiative. Oder ein mutiges Bauwerk. Manchmal sogar beides auf einmal.

Hamburg hat nun die Chance zur Olympiabewerbung. Und schon ist allerhand Bewegung in der Bürgerschaft. Es mag Tausend Gründe dagegen geben. Das liebe Geld (Wahnsinn). Der Aufwand (Irrsinn). Aber es würde eine Sache verändern. Mit der Geschwindigkeit eines Wimpernschlags wäre die Hansestadt das Tor zur Welt. Nicht nur auf Plakaten. Und nicht nur am Hafen. Auch der heute noch gebräuchliche Zusatz "Hamburg, Germany" wäre verzichtbar. Die große Meisterschaft und Weltklasse einer Stadt zeigt sich auch in solchen Entscheidungen. Faltprospekte dürfen natürlich trotzdem gedruckt werden.

Der Autor: Armin Jochum ist Vorstand Kreation und Co-Gründer der Agentur Thjnk. Er ist einer von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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