Der Werber-Rat
Geschäfte mit dem Glück

Weil die Menschen Glück inzwischen als ein Grundrecht ansehen, hat sich eine weltweite Industrie daraus entwickelt. Sie lebt davon, dass niemand genau weiß, wonach er eigentlich sucht.
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Es gehört heute zum „common sense” anzunehmen, dass der Mensch ein Recht darauf hätte, glücklich zu sein. Glück als Supergrundrecht. Glücksbringer des Jahres ist der Musiker Pharrell Williams: zum einen mit dem Sommerhit auf Daft Punks Hitsingle „Get Lucky”. Zum anderen mit dem ersten 24-Stunden-Musikvideo „Happy”, das sich gerade in Windeseile durchs Netz verbreitet.

Menschen tanzen dort glücklich rund um die Uhr an verschiedenen Orten. Der Song geht nach wenigen Sekunden ins Ohr und das vermutlich beste Musikvideo des Jahres zaubert einem sofort ein Lächeln ins Gesicht — Glück geht immer.

Weil aber niemand sagen kann, was Glück eigentlich ist, blüht das Geschäft rund um dieses Sehnsuchtsthema. Amazon findet 25 556 Treffer für Glücksratgeber. Der Weg ins Glück führt offenbar durch dichten Nebel.

Es ist Geschmackssache, ob man auf der Suche den Tipps des Dalai Lama folgt („Der Sinn des Lebens besteht darin, glücklich zu sein”) oder denen Rolf Dobellis („Wann sind Sie das letzte Mal bei einer Blume stehen geblieben?”). Man kann auch einfach eine Portion „Glück Lebensfreude Räucherwerk” aus dem Esoterik-Shop anzünden. Die, so verspricht die Werbung, bringt „Freude und Vertrauen in das irdische Leben”.

Designorientierte Glückssucher besuchen die Londoner „School of Life”. Sie bietet Lebenshilfe-Seminare an und verkauft im Shop Aphorismensammlungen und glücklich machende Duftkerzen.

Deutschlands führender Glücksexperte, Eckart von Hirschhausen, gab den Showmaster bei der ARD-Themenwoche „Glück”. Die erreichte im Schnitt nur einen Marktanteil von knapp unter zehn Prozent. Das dürfte nicht eben zum Glück der ARD-Verantwortlichen beigetragen haben und weist darauf hin, dass Fernsehen schon mal nicht glücklich macht. Der Philosoph Pascal Bruckner sieht die moderne Glückssuche kritisch: „Wir sind vermutlich die ersten Gesellschaften in der Geschichte, in denen Menschen dazu gebracht werden, unglücklich darüber zu sein, dass sie nicht glücklich sind”, schreibt er in seinem klugen Essay „Verdammt zum Glück”. Das Büchlein wird nicht mehr aufgelegt — zu gering wahrscheinlich die Nachfrage. Aus Sicht der Ratgeber- und Wegweiserindustrie: Zum Glück.

Der Autor:

Stefan Kolle ist Geschäftsführer Kreation der Agentur Kolle Rebbe in Hamburg. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare zu " Der Werber-Rat: Geschäfte mit dem Glück"

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  • Da ich gerade Herrn Gauch auf dem Bild sehe, drängt sich mir ein Vergleich zu Herrn Wolf auf. Wer bezahlt hier den Wein des Herrn Gauch? Vielleicht Herr Hirschhausen, damit er zusammen mit Herrn Gauch im Bild erscheint? Sicherlich findet sich wieder ein karrieregeiler Staatsanwalt, der zusammen mit der Bildzeitung ein öffentlich wirksames Verfahren anzettelt. Das Ansehen unserer Staatsanwaltschaft hat nach dem Wolf Verfahren erheblichen Schaden genommen. Zustände wie unter Berlusconi?

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