Der Werber-Rat
Gespenstergeschichten

In dieser Woche hat sich der Jahrestag von Nine-Eleven erneut gejährt. Wäre man Zyniker, wäre man Fantast, man könnte sich eine Horrorgeschichte zu der Entstehung des schrecklichen Tages ausdenken.

Ein zynischer Fantast könnte sich die folgende Horrorgeschichte ausdenken: Vor dem Anschlag von Nine-Eleven saßen Terroristen zusammen und lauschten dem Anführer.

„Vergesst nicht“, sagte der, „es geht nicht um ein paar Gebäude oder die Opfer. Wir wollen kein Scharmützel gewinnen, sondern einen Krieg. Unser Ziel ist die Vernichtung der westlichen Zivilisation.“

Er hob die Stimme: „Das wird der Witz der Geschichte: Sie selbst wird fleißig dabei helfen. Wir liefern den Anlass. Wir greifen sie mit einem Teppichmesser an. Sie werden mit Krieg reagieren und dabei mehr vernichten als wir es durch ein Attentat könnten. Lasst uns hoffen, dass sich auch unter ihren Soldaten ein paar Killernaturen finden, die Gefangene demütigen, foltern und ermorden.

Das wird ihren Ruf als ‚Apostel’ der Menschenrechte beschädigen und nebenbei auch noch unsere Kinder und Enkel mit Hass versorgen. Vielleicht tun sie uns den Gefallen, Gefangene jahrelang in irgendwelchen Lagern zu halten, ohne Verfahren oder Urteil. Den Rechtsstaat, auf den sie sich viel einbilden, kann man also — so wird sich verbreiten — ein- oder ausschalten. Mit dem größten Propagandaaufwand könnten wir das nicht erreichen.

Natürlich werden ihre Geheimdienste den Fehdehandschuh aufnehmen. Sie werden ihre eigenen Völker bespitzeln, denn jeder ist nun verdächtig. Es war schon oft so: Um ihre Freiheit zu retten, schaffen sie Teile davon erst einmal ab. Wenn einer von ihnen das aufdeckt, jagen sie ihn als Verräter.

Wenn es irgendwo zu regionalen Aufständen kommt, werden sie in panischer Angst vor uns Islamisten Diktatoren verschonen, sogar unterstützen, ganz sicher sie viel zu spät fallen lassen. Das wird die demokratischen Kräfte in diesen Ländern zerreiben. Wir müssen keinen Finger rühren. Mit Geduld und Härte erreichen wir die Macht. Die UN kann man dabei vergessen. Sie ist nur Spielball der Supermächte.

Übrigens: Das alles kostet sie gigantische Summen, die ihnen im zivilen Leben fehlen werden.

Liebe Mitkämpfer, Kriege gewinnt man heute nicht mehr in offener Schlacht. Man muss beim Gegner Angst erzeugen und dann nur noch zuschauen. Ihr werdet es erleben.“

Der Autor:

Bodo Hombach ist Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik.

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