Der Werber-Rat
Google macht sich unsterblich

Vergangene Woche standen sowohl Apple als auch Google im Fokus des Medieninteresses: der iPhone-Hersteller mit Produkten, die Suchmaschine mit Visionen. Von Google lässt sich dabei mehr lernen.
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Im Silicon Valley gab man vergangene Woche zwei Lehrstücke: eines über Innovation, eines über Kommunikation. Zunächst die Innovation. Apple hat ein neues Betriebssystem auf den Markt gebracht und zwei iPhones, von denen eines das alte in neuer Hülle ist. Google hat die Gründung einer neuen Firma angekündigt: Calico soll mit neuen Technologien das Leben der Menschen nicht nur verbessern, sondern auch signifikant verlängern.

Apple geht zurzeit den Weg, mit dem sich schon Nokia ins Aus geschossen hat: Man werkelt auf bekanntem Terrain herum, bringt aber nichts wirklich Neues auf den Markt. Google hingegen ist eines der experimentierfreudigsten Unternehmen der Welt. Während bei Apple nach dem Tod von Steve Jobs gefühlt eher Verwalter agieren, ist die Google-Mannschaft nach wie vor jung und hungrig. Dank ihrer Erlöse verfügt sie quasi über einen der weltweit größten Investmentfonds für neue Ideen. Deshalb stehen die Erfinder Schlange.

Google experimentiert auf unzähligen Feldern, die sich alle aus seiner Kernkompetenz ableiten lassen. Bis hin zu Beteiligungen an Biotechfirmen wie 23andMe. Rohrkrepierer nimmt Google dabei in Kauf. Auf diesem Wege entstand vieles, was heute selbstverständlich ist, aber noch vor zehn Jahren als Unsinn abgetan worden wäre. Google Streetview zum Beispiel.

Auch die Idee, sich mit Calico nun Lösungen für eine alternde Gesellschaft zu widmen, ist bei näherer Betrachtung für Google alles andere als absurd. Medizin und Forschung werden immer mehr zu weltweit vernetzten Datenbank-Disziplinen. Auch Googles Technologien hinter Google Glasses oder dem fahrerlosen Auto können das Leben einer alternden Gesellschaft verbessern. Wirklich Konkretes lässt Google jedoch nicht raus.

Für die Titelstory des „Time“-Magazins reicht’s: „Can Google solve death?“, fragt das Magazin und konstatiert, dass kein anderes Unternehmen im Silicon Valley ein solches Unterfangen hätte starten können: „Die kleineren Läden haben das Geld nicht, den größeren fehlt das Rückgrat.“

Das ist dann das Lehrstück in Sachen Kommunikation: Statt sich weiter mit lästigen Dingen wie der NSA-Affäre herumzuärgern, besetzt man einfach das nächstgrößere Thema. Zur Not tut’s da auch die Unsterblichkeit.

Der Autor:

Stefan Kolle ist Mitinhaber und Geschäftsführer Kreation der Agentur Kolle Rebbe, Hamburg.

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