Der Werber-Rat
Grün, grün, grün... ist die Hoffnung

In den 90er Jahren war es Silber, heute ist es Grün: Die Werbung spricht in Farben - und die spiegeln den Zeitgeist wieder. In Zeiten der Eurokrise heißt das: Die Menschen brauchen Hoffnung.
  • 3

Augenscheinlich spielt die Farbe Grün in diesem Sommer eine zentrale Rolle. Den Anfang machte die Nationalelf bei der EM mit erstmalig grünen Trikots. Die diesjährige Sommermode ist so grün wie selten zuvor. Und immer mehr Werbemotive wählen als Hintergrundfarbe grün: Müllermilch launcht ein Produkt 'Ran an die Flasche' mit strahlend grünem Hintergrund. Der Frauensender Sixx sagt 'Mädels macht es Euch selbst' und wählt ein weißes Huhn als Werbeträger auf saftig grüner Fläche.

Manche Forscher behaupten, mit Farben sei eine feststehende Bedeutung verbunden. Und der Volksmund spricht von 'Grün' als Farbe der Hoffnung. Aber selbst wenn dies stimmt, bleibt die Frage, warum bestimmte Farben zu bestimmten Zeiten besonders gern gesehen sind. Denn auch die Colorcodes der Werbung passen sich dem jeweiligen Zeitgeist an.

Die dominierende Farbe der 90erJahre war Silber: silbriger Anzeigenhintergrund, kühle Produktinszenierungen bis hin zur silber-grauen Cola-Flasche. Silber symbolisierte den Individualisierungstrend. Heute bewertet man diese Anzeigeninszenierungen als unzeitgemäß und kalt. Da Farben trotz ihrer guten Erkennbarkeit eher vorbewusst wirken, lässt sich so oft kein exakter Grund nennen.

Mit einem (An-)Schlag fand seit dem 11. September 2001 in Deutschland dann ein Werte- und Werbewandel statt. Die Menschen erkannten, wie wertvoll das Leben ist. Die Werbefarben drückten das aus: Braun wie Mutter Erde und Blau wie die Lebenselixiere Wasser und 'Luft'. Dabei symbolisierte gerade Braun durchaus schon weitaus weniger Positives. Ein wichtiger Hinweis darauf, dass Farben ihre eigentliche Bedeutung erst im kulturellen Zusammenhang entwickeln und nicht immer gleich wirken.

Seither wechselte der Werbecolorcode noch zweimal: Weiß strahlte seit der WM in Deutschland von den Plakaten und vermittelte neue, jungfräuliche Lebensfreude. Schwarz dominierte seit der Bankenkrise 2008. Und nun also Grün: Selbst wenn eingefleischten Fußballfans nur 'Rasen' dazu einfällt, sind weitere Assoziationen wie Pflanzen, Natur und Wachstum naheliegend. Letztlich verbindet ja auch Sixx eine Wachstumshoffnung mit neuen, attraktiven Programmplätzen, zu denen die grünen Anzeigen verhelfen sollen. Grün bedeutet auch Lebendigkeit und Fruchtbarkeit, als wichtige Grundlagen für Wachstum. In diesem Sinne vermittelt Grün wohl gerade in den Zeiten der Euro-Krise wirklich Hoffnung. Und diese stirbt ja bekanntlich zuletzt.

Die Autorin:

Ines Imdahl ist Psychologin und Inhaberin der Marktforschungsagentur Rheingold Salon. Sie ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Ines Imdahl ist Psychologin sowie Inhaberin und Geschäftsführerin des Rheingold-Salons. Quelle: Ulrike Reinker
Ines Imdahl
/ Psychologin, Inhaberin Rheingold Salons

Kommentare zu " Der Werber-Rat: Grün, grün, grün... ist die Hoffnung"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Das Niveau von dem TV-Sender Sixx finde ich ärgerlich. Frauen interessieren sich schon auch für Jamies selbstgemachte Pizza, nur vermisse ich zwischen "Lipstick Jungle" und "Die perfekte Hochzeit!" Sendungen über Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur. Und den Slogan: Mädels machts euch selbst! finde ich voll schwul.

  • Wieviel Ahnung die Werbetussi von Farben hat, sieht man schon an ihrer Aussage zu den grünen Trikots der Fussballnationalmannschaft. Wir hatten jahrzehntenlang grüne Auswärtstrikots!!!

    Frau Imdahl bitte informieren Sie sich bitte wenigstens ein bisschen bevor Sie etwas rausposaunen...

    Sie erinnern mich ein wenig ein Carmen Thomas...

  • Die Kommunikation zwischen Jungakademikern die Marketing und Reklame bestimmen und dem Rest der Bevölkerung ist begrenzt, bzw. es handelt sich um eine nicht repräsentative Bevölkerungsgruppe. In den 90er Jahren hatte man beispielsweise bei meinem damaligen Arbeitgeber in der Kommunikation mit den Kunden eine grosse Zahl englischer Begriffe genutzt. Dass diese von der Bevölkerung, insbesondere der Ex-DDR Bevölkerung die eher russisch denn englisch gelernt hatte nicht immer verstanden wurden, fiel dann irgendwann dem älteren GF auf.

    Grün steht auch für die Oekoreligion, für teuren Strom, teures Benzin, den Oekokult der Mülltrennung. Wenn man die Leute fragt finden diese dies wie aus Medien und Schule gelernt, gut. Allerdings vermute ich, dass viele Menschen genug haben von dem Schwindel.

    Vandale

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%