Der Werber-Rat
Grüner Testmarkt Deutschland

Von „Technik made in Germany“ zu „Nachhaltigkeit made in Germany“: Das veränderte Konsumentenverhalten könnte Deutschland eine neue Rolle in der Welt geben.
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Doch, doch, es ist schon so: Wir Deutschen sind dem Rest der Welt voraus. Während sich rund 2,6 Milliarden Menschen in China, Indien und Russland als Konsumneulinge naturgemäß herzlich wenig um die Nachhaltigkeit ihres Tuns scheren, sind wir einen Schritt weiter.

Als alte Konsumhasen haben wir fast alle Güter angehäuft, die man als moderner Mensch zu brauchen glaubt. Wer uns heute noch etwas verkaufen will, muss sich schlauere Anreize einfallen lassen. „Neue Technik schlägt alte Technik“ zieht nur noch bedingt.

Dafür hat sich, auch angetrieben durch ein wachsendes Bewusstsein für die Endlichkeit von Ressourcen, ein neuer Trend entwickelt: Das Produkt mit ideellem Mehrwert schlägt das ideell minderwertige Produkt. Unsere Konsumgesellschaft wandelt sich langsam in eine Konsum-mit-gutem-Gewissen-Gesellschaft.

Ein interessantes Phänomen, das die Rolle Deutschlands grundlegend verändern kann. Ist „Made in Germany“ heute noch ein Siegel für technische Perfektion und Zuverlässigkeit, könnte es bald eines für Nachhaltigkeit und wegweisende grüne Konzepte sein.

Schon vor zwei Jahren hat Jeremy Rifkin, Gründer der Foundation On Economic Trends, vorausgesagt, dass Deutschland Vorbild für die „dritte industrielle Revolution“ sein könne. Er scheint recht zu behalten: In Japan explodiert ein Kernkraftwerk, wir läuten die Energiewende ein. Die globale Finanzindustrie kollabiert, bei uns verzichtet die Commerzbank auf Lebensmittelspekulation und die sozialökologische GLS Bank gewinnt 27.000 Neukunden.

In Deutschland entstehen Elektroautos und Konzepte wie Cradle to Cradle, bei dem Produktionsprozesse so gesteuert werden, dass weder Abfälle entstehen noch Energie verschwendet wird - eine spannende Entwicklung.

Spannender ist nur die Frage: Werden Indien, China und Russland auf nachhaltigeren Konsum umsteigen? Und vor allem: wann? Hoffentlich nicht erst, wenn der Großteil ihrer 2,6 Milliarden Einwohner alles hat, was der moderne Mensch so zu brauchen glaubt. Dann dürfte es wohl zu spät sein.

Der Autor:

Stefan Kolle ist Geschäftsführer Kreation der Agentur Kolle Rebbe in Hamburg. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare zu " Der Werber-Rat: Grüner Testmarkt Deutschland"

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  • "Ein Geisterfahrer? Tausende!!!"

    Mal wieder die übliche undifferenzierte Anti-Öko-Krawall-Polemik. Ein Tipp. Weniger Krawall, mehr Fakten&Argumente. Dann hören die Leute vielleicht auch zu...

  • Deutschland ist sicherlich weltweit Spitze im Oekoaberglauben. Deutschland ist ein Paradies für die Oekokonzerne wie Grün & Frieden und Dergleichen. Der Schaden den der Oekoglauben angerichtet hat beträgt vielleicht 10 - 15% des BIP.

    Wenn man den Deutschsprachigen Raum verlässt, stellt man fest, dass man die Oekoreligion auch in anderen Ländern kennt, man dieser allerdings längst nicht die Bedeutung beimisst wie in Deutschland.

    Einige Länder wie China, Russland und die arabischen Länder sind ziemlich ignorant gegenüber diesem Aberglauben. Dort lässt man auch solch parasitäre Organisationen wie Grün & Frieden nicht gewähren. Die teils kriminellen Geschäftsmodelle hätten in diesen Ländern keinen Platz.

    Aktuell kann man beobachten wie sich die Angelsächsischen Länder Kanada, USA und GB mehr und mehr von diesem Aberglauben befreien. Nordamerika hat das Kyoto Protokoll nie unterzeichnet, bzw. gekündigt. Ein sehr links stehender US Präsident blieb in seinem Engagement bislang erfolglos. Der Neubau von modernen, umweltfreundlichen Kernkraftwerken wird durch günstiges Erdgas gebremst, nicht durch den Oekoglauben.

    Es ist zu vermuten, dass die Oekosaga einer CO2 Klimahölle auch in einigen europäischen Ländern in die Diskussion kommt. Der wirtschaftliche Niedergang wird die Prioritäten weg von fiktiven ökologischen Problemen hin zu ernsthaften Herausforderungen lenken.

    Vandale

  • Made in Germany soll ja abgeschafft werden, laut Brüssel. Soll ja dann Made in Europe heissen. Aber das passt ja auch, wenn wir ja so viele Fachkräfte aus dem europäischen Umfeld brauchen.

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