Der Werber-Rat
Hamburg leidet nach Olympia-Aus

Hamburgs Sportlandschaft verkommt seit dem Olympia-Aus immer mehr zu einer Monokultur. Schuld daran ist auch die fehlende Investitionsbereitschaft der Wirtschaft, die nur auf bloße Reichweite statt auf Loyalität setzt.

Die Sportstadt Hamburg ist nach dem Olympia-Aus in eine Schockstarre gefallen. Mehr noch: Die Ablehnung der Olympia-Bewerbung hat sich zu einem Sargnagel der Sportvielfalt entwickelt: Die Insolvenz des Bundesligisten HSV Handball, der Rückzug in die Zweite Liga der Volleyballerinnen vom VT Aurubis, das mögliche Aus der Radsportveranstaltung Cyclassics und auch der mögliche K.o. der Hamburg Freezers in der Deutschen Eishockey Liga. Hinzu kommt die finanziell schwierige Situation der Basketballer der Hamburg Towers.

Der Negativtrend gefährdet längst mehr als die Pluralität des Sports. Es geht um die Aushängeschilder ihrer Sportarten, die zum Teil Tausende Fans in die Stadt zogen und Vorbild für den Nachwuchs waren.

Die vermeintliche Sportstadt gleicht nur sechs Monate nach dem Olympia-Aus einem sportlichen Brennpunkt. Ohne „Breite keine Spitze“ – was für viele Branchen gilt, hat sich beim Sport längst zu einem „Ohne Spitze keine Breite“ entwickelt.

Dort, wo lokale Vorbilder nicht mehr existieren, fehlen dem organisierten Sport in aller Regel emotionale Zugänge. In den Vereinen werden händeringend Ehrenamtler, Trainer und Nachwuchsspieler gesucht. Dort, wo neben Familie und Schule Werte und Teamgeist vermittelt werden und Integration spielend gelingt.

Als Klammer lässt sich durchaus die fehlende Investitionsbereitschaft der Wirtschaft identifizieren. Beim HSV Handball und dem VT Aurubis fehlten Sponsoring-Gelder, die Eigentümer der Freezers oder der Cyclassics suchten bislang vergeblich nach neuen Partnern. Unternehmen sollten allerdings die Kraft erkennen und statt in teure Reichweiten lieber in dankbare Fans und Menschen investieren, die sie mit offenen Armen empfangen. Das Motto sollte folglich lauten: Qualitative Kontakte und hohe Loyalität – statt bloßer Reichweite.

Der Autor: Raphael Brinkert ist Mitinhaber der Agentur Jung von Matt/Sports. Er ist einer von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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