Der Werber-Rat: Hat die Nation keinen Anspruch, seine Helden live zu sehen?

Der Werber-Rat
Hat die Nation keinen Anspruch, seine Helden live zu sehen?

ARD und ZDF übertragen Sportveranstaltungen von denen sie sich ohne viel Aufwand hohe Quoten versprechen. Doch Kerbers Triumpf in Australien hat gezeigt. Die Sportwelt besteht nicht nur aus Fußball und Wintersport.

Was für ein Wahnsinnswochenende. Die gute Nachricht dabei war, dass König Fußball dieses Mal nicht alles überstrahlte, sondern auch mal die anderen zum Zuge kamen. Die schlechte Nachricht: Wer sich auf die Öffentlich-Rechtlichen verließ, ging beim Australian-Open-Triumph von Angelique Kerber leer aus. Die provokante Frage: Hat die Nation nicht den Anspruch, seine Helden live zu sehen?

12,37 Euro des monatlichen Rundfunkbeitrags landen allein bei der ARD. Davon fließen 0,69 Euro in den Sport, während zum Vergleich das Filmangebot 58 Cent kostet. 2014 wurde das Livesportangebot im Ersten mit 56 Prozent durch den Wintersport bestimmt, 22 Prozent der Sendezeit fiel auf den Fußball – so viel wie für alle weiteren Sportarten zusammen. Statt in Weltklasse-Live-Tennis fließen mehr als 250 Millionen Euro in drittklassige Produktionen wie „Rote Rosen“ oder „Mord in bester Gesellschaft“. Seichte Unterhaltung statt packender Duelle.

Viele TV-Sender sind groß darin, Kühe zu melken – aber züchten will sie keiner. Erst wenn deutsche Sportler bereits die Hand am Pokal haben und hohe Einschaltquoten garantiert sind, werden ihre Sportarten interessant. So beim Wimbledon-Finale von Sabine Lisicki 2013, das nur im Bezahlfernsehen zu sehen war. Das Fed-Cup-Duell der deutschen Tennisfrauen gegen die Schweiz an diesem Wochenende wird kurzfristig von Sat.1 direkt übertragen – nicht wie geplant vom Spartenprogramm Sat.1 Gold. Der Hype soll genutzt werden.

Neben den Verbänden und Vereinen liegt es an den Medien, Sportarten wie Tennis und Handball wieder Raum zu bieten. Denn ohne die große Bühne lässt sich kein Interesse, keine Begeisterung herstellen. Dafür braucht es aber Mut und Vertrauen bei den TV-Sendern, in Rechte zu investieren und Sendeplätze zu schaffen – auch fernab der medialen Highlights.

Der Autor: Raphael Brinkert ist Mitinhaber der Agentur Jung von Matt/Sports

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