Der Werber-Rat
Heino und die toten Helden

Der Erfolg des Schlagersängers mit seinem Rockalbum spiegelt einen Trend wider: die Sehnsucht nach mehr Gemeinschaft statt Zwist und Ego-Kultur, nach Aussöhnung statt Gegensätzen.
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Heino rockt mit seinem neuen Album die Musik-Charts und schafft es sogar, zu Deutschlands bekanntester TV-Show „Wetten, dass..?“ eingeladen zu werden. Spannend daran ist, dass Heino auf seinem neuen Album keine Volkslieder singt, sondern ausschließlich Songs von deutschen Rock- und Punk-Bands.

Dabei hatte sich der Sänger früher noch hitzige Auseinandersetzungen mit Rockern und Punkern geliefert. Für diese war Heino der Inbegriff des Spießigen, gegen das sie rebellieren wollten. Eine Band hieß sogar „Heino und die toten Hosen“ und nannte sich erst um, nachdem sie von Heino gerichtlich belangt wurde. Später sind sie unter dem Namen „Die toten Hosen“ selbst Stars geworden.

Stand und steht Heino für den konservativen Mainstream, das Normale und das Spießige, so folgten die Rocker und Punker dem Ideal des progressiven Rebellen-Helden, der sich gegen einengende Konventionen auflehnt. In beiden Strömungen repräsentierten sich letztlich gesellschaftliche Gruppierungen und ihre scheinbar unvereinbaren Positionen. Heinos neues Album wäre so gesehen Rebellion und Konvention in einem. Wie soll das gehen?

Heinos Erfolg fußt auf einem sich schon lange abzeichnenden gesellschaftlichen Trend: die Sehnsucht nach mehr Gemeinschaft statt Zwist und Ego-Kultur, Aussöhnung statt Gegensätze. Auch in der Musik findet dies seinen Ausdruck. Die Rebellen-Helden sind älter geworden und sehnen sich nach breiter gesellschaftlicher Anerkennung.

So gesehen ist Heinos Einstufung der Rock-Songs als „Volkslieder der 2. Generation“ ein Ritterschlag und sein Album eine Absolution des Mainstreams an das Fan-Lager der Rock-Rebellen. Umgekehrt zeigt sich Heino als Vertreter des Mainstreams durch die Liedauswahl erstaunlich weltoffen und dem Anschein nach weniger spießig als vermutet. Das steigert die Akzeptanz im Rebellenlager.

Heinos Erfolg ist so betrachtet ein Ausdruck für den gesellschaftlichen Wunsch nach einer Aussöhnung von konservativen und progressiven Kräften. Der Mainstream zeigt neue Beweglichkeit. Die alte Idee der Rebellen-Helden aber muss dran glauben. Sie stirbt den Tod der Konvention. Aber eben dort feiert sie auch ihre Wiederauferstehung als neue Schubkraft für den Mainstream.

Die Autorin:

Ines Imdahl ist Psychologin und Inhaberin der Marktforschungsagentur Rheingold Salon. Sie ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Ines Imdahl ist Psychologin sowie Inhaberin und Geschäftsführerin des Rheingold-Salons. Quelle: Ulrike Reinker
Ines Imdahl
/ Psychologin, Inhaberin Rheingold Salons

Kommentare zu " Der Werber-Rat: Heino und die toten Helden"

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  • Armer Heino...
    http://www.schlagerplanet.com/news/heino/stress-fuer-volksmusik-rocker-heino_n510.html

  • Aufgefallen ist mir im Hinblick auf den "neuen" Heino - ob man ihn nun mag oder nicht - vor allem die Reaktion des sonst stets Toleranz fordernden Toten-Hosen-Chefs Campino:

    Er erlaubte sich die völlig unangemessene Unverschämtheit, Heino als "Aushängeschild der deutschen Hässlichkeit" zu verunglimpfen. Schon in den 80er-Jahren befeuerten die Toten Hosen ihre eigene Karriere damit, Heino im Vorfeld ihrer Konzerte zu verunglimpfen. Damals hatte Campino kein Problem damit, sich auf Heinos Kosten zu profilieren.

    Jetzt, wo der überaus eitle und selbstgefällige Gockel Campino selbst zu den Arrivierten gehört, beißt er neidisch um sich. Ein für linke neureiche Proleten sehr typisches Muster.

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