Der Werber-Rat
Herzklopfen mit Kursaufschlag

Google steigt in den Gesundheitsmarkt ein und wirbelt die Börse auf. Die alten Pharma-Konzerne jedoch kratzt das wenig. Zu Unrecht, meint unser Kolumnist Frank Dopheide. Er sieht darin den Anfang einer Revolution.
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DüsseldorfLarry Page, der Gründer höchstpersönlich, verkündete Googles Einstieg in den Gesundheitsmarkt: Calico heißt der neue Unternehmensspross, geführt von Art D. Levinson, Chairman von Apple und Topmanager der Gesundheitsbranche.

Die größte Suchmaschine des Planeten sieht ihr Heil in der Entwicklung von Kreislauftabletten oder Nasenspray. Innovation entsteht, wenn zusammenarbeitet, was nicht zusammengehört. An der Wall Street löste die überraschende Nachricht Herzklopfen mit deutlichem Kursaufschlag aus. Derweil reagierte der Klub der 100-Jährigen von Bayer bis Pfizer mit müdem Stirnrunzeln, dabei wären Nervenflattern und Bluthochdruck angebracht.

Die Revolution kommt nicht im Arztkittel, sondern mit Nerd-Brille. Das macht den „medicus googlelitis“ offensichtlich unsichtbar für die Wettbewerbsbeobachter.

Das neue Gesundheitsmodell ist nicht vom Erkältungsvirus aus gedacht, sondern vom Patientenalltag. Die Suche nach Gesundheitsinformation ist ein dicker Brocken in der digitalen Welt. Der aufgeklärte Patient von heute will es erstens selbst und zweitens ganz genau wissen. Schon ist Google zur Stelle. Ob Behandlungsmethoden, Experten oder Produktempfehlungen - die Suchmaschine verweist alle auf ihre Plätze.

Es braucht keinen Großrechner, um auszurechnen, welche Empfehlung oben steht. Statt sich jahrzehntelang im Labor mit Studien und Zulassungsverfahren zu verausgaben, filtert sich Google die profitablen Krankheitsbilder per Algorithmus einfach heraus.

Schon heute sieht Google „flutrends“ Grippewellen anrollen - Tage bevor der hüstelnde Patient beim Arzt klingelt. Wir sind auf dem Weg in die Fed-Ex-Medizin: „anytime, anywhere“. Die Sprechstundenhilfe erleidet das Schicksal der Fernsehansagerin und stirbt aus. Die Termine machen wir direkt im digitalen Kalender.

Die Medizin der Zukunft ist nicht ein Medikament, sondern die Fähigkeit, das Heer der „Methusalems“ günstig gesund zu halten. Folglich stehen Alterskrankheiten im Fokus der neuen Firma. Calico wird den Wettbewerbern noch eine Menge Kopfschmerzen bereiten. Wir empfehlen der Branche, ihre Stresshormonproduktion zu erhöhen und umgehend mit der Erforschung wirksamer Gegenmittel zu beginnen.

Der Autor:

Frank Dopheide ist Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare zu " Der Werber-Rat: Herzklopfen mit Kursaufschlag"

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  • @Starjournalist

    Wow - mit Ihrem Weltbild möchte ich nicht gesegnet sein. Ich würde mich sonst sofort den Dschihaddisten oder einer anderen möglichst radikalen Bewegung anschließen.

    Warum nur so frustriert ? Weil es sich aufgeklärt anhört, weil Sie sich damit als besserer und überlegener Mensch fühlen ?

  • Google wird es viel besser machen als anderen je zuvor.

    Die meisten Pharmafirmen sind doch nur so weit gekommen, weil sie überall korrumpiert haben.

    Auf Kosten von Mensch, Tier und Umwelt.

    Google kann es nur besser machen!!!

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