Der Werber-Rat
High Tech für Großväter

Die schöne neue Technikwelt macht aus Armbändern, Brillen und Kleidung Kommunikationsmedien. Sie werden nicht erst, sondern sie sind schon das nächste große Ding der Kommunikationswelt.
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Mein Großvater war ein sehr kommunikativer Mensch. Er bastelte sich Schilder für sein Auto, die er liebevoll laminierte. Damit wünschte er fremden Menschen auf der Straße gern mal einen „Guten Morgen“ oder winkte mit einem „Tschüss“ der Familie beim Abreisen hinterher. Oder schickte ein fröhliches „Überhol ruhig“ an den Drängler hinter ihm.

Mein Großvater ist schon lange tot. Aber er wäre vermutlich einer der Ersten, den man mit den neuesten technischen Entwicklungen begeistern könnte. Denn die neue Technikwelt macht aus Armbändern, Brillen und Kleidung elektronische Kommunikationsmedien.

Werden wir bald nicht mehr nur mit unseren Bildschirmen und Telefonen miteinander kommunizieren, sondern auch mit unserer Kleidung? Sehr wahrscheinlich. Jacken, die unsere Stimmungen wiedergeben. Oder sich der Umgebung anpassen. Mit denen wir flirten. Oder unseren aktuellen Lieblingspopstar huldigen. Schon in Arbeit.

Die sogenannten Wearables versetzen eine ganze Branche in freudige Erregung. Sie werden nicht erst, sondern sie sind schon das nächste große Ding. Das kleine Armband, das seit einem halben Jahr sehr streng zu mir ist, meine Bewegungseinheiten misst und mir meinen erbärmlichen Kalorienverbrauch vorhält, ist nur der Anfang. Das ergibt ganz ungeahnte neue Verdienstmöglichkeiten.

Menschen vermieten ihre kommunikative Kleidung an den örtlichen Supermarkt, um auf neue Angebote zu verweisen. Hähnchenschenkel heute nur 3,99. Alles denkbar. Neue Berufsbilder entstehen. Wearable-Designer spielen den neuesten heißen Scheiß auf die Kleidung. Der Schnitt bleibt. Der Look ändert sich. Von der medizinischen Anwendung ganz zu schweigen. T-Shirts zeigen an, wann man seine Medizin nehmen muss.

Nachdem mein Großvater den Führerschein abgegeben hatte, war er in seiner Kleinstadt berühmt dafür, den Verkehr auf der Hauptstraße mit seinem Dreirad für Erwachsene zu stauen. Denn er fuhr sehr, sehr langsam. Was würde ich dafür geben, ihm dabei zuzusehen, wie er mit roten Backen fröhlich pfeifend, das weiße Haar im Wind, die Menschheit per Leuchtdioden auf seiner Jacke wissen ließe: Ihr könnt mich mal... überholen! Das hätte ihm gefallen.

Die Autorin:

Britta Poetzsch ist Head of Lifestyle der Agenturgruppe Serviceplan. Sie ist eine von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im Wechsel über Kommunikation schreiben.

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