Der Werber-Rat
Ideenkraftwerke im Stundenakkord

Während Deutschlands Kreativ-Elite Ideen nur für Festivals und Awards entwickelt, revolutionieren zwei Konzerne auf der anderen Seite des Atlantiks die Welt. Sie sind Ideenkraftwerke, die sich pausenlos infrage stellen.
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BerlinNoch fünf Tage bis zur Weltmeisterschaft – in Cannes. Knapp eine Woche lang trifft sich die kreative Welt auf ein paar Quadratmetern an der Côte d’Azur und huldigt Ideen, die mit einem Cannes-Löwen geadelt werden. Die Beiträge beim International Festival of Creativity sind meist von großem Unterhaltungswert. Manchmal aber auch mit jener Kraft gesegnet, die Welt ein wenig aus den Angeln zu heben.

Kurz vor Festivalbeginn führt die Branche hierzulande wieder die ewig stumpfe Diskussion über Sinn und Unsinn von kreativen Initiativen und Ideen-Prototypen, die extra für Festivals erdacht und gebastelt werden. Auf die Deutschen ist halt Verlass. Und während sich die einen mit Schäufelchen kloppen oder aus sicherem Gestrüpp mit Zynismus und Zwietracht um sich werfen, steigen andere einfach aus dem Werbe-Zirkus aus und verabschieden sich dorthin, wo Ideen nicht nur zu Hause, sondern der größte Antrieb sind, den sich dieser Planet vorstellen kann: ins kalifornische Silicon Valley.

Dort zünden Google und Facebook die nächste Stufe. Und zwar stündlich. Das sind keine Firmen. Das sind Ideenkraftwerke, die sich pausenlos selbst infrage stellen. Die Ideen nicht einfach nur fördern – sondern zur eigentlichen Supermacht machen. Solche Unternehmen sind der neue Magnet für Leute mit ehrgeizigen Zielen. Facebook bringt es auf den Punkt: „If we don’t create the thing that kills facebook, someone else will.“

Wenn dir einer sagt, dass er nur an Ideen arbeitet, die das Leben von mindestens einer Milliarde Menschen verbessern, dann hat der entweder einen an der Waffel. Oder er heißt Larry Page und ist CEO von Google. „Wieso nur zehn Prozent besser sein, wenn man zehn Mal besser sein kann?“, so schallt es über die Flure in Mountain View. Die Computerbrille Google Glass ist bereits ein alter Hut, bevor sie auf den Markt kommt – jetzt geht es um Kontaktlinsen für Diabetiker, die den Blutzuckergehalt in der Tränenflüssigkeit messen. Google arbeitet außerdem an fahrerlosen Autos und einem System, das das Internet auch in die entlegensten Winkel der Erde bringen soll.

Vielleicht sind es nur Prototypen. Wer will das wissen?

Noch fünf Mal schlafen, dann ist Cannes.

Der Autor:

Armin Jochum ist Vorstand Kreation und Co-Gründer der Agentur Thjnk. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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