Der Werber-Rat
Ihr Kinderlein kommet – helfet dem Marketing

Kinder haben ein sehr gutes Gespür dafür, ob etwas passt oder nicht. Wir sollten ihren Strukturierungen folgen, um komplexe Werbebotschaften und unsinnige Produktplatzierungen zu vermeiden.
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Kürzlich stand mein neunjähriger Sohn vor mir und forderte mich kopfschüttelnd auf, den Inhalt seines Adventskalenders anzuschauen. Ein kleines Schokoladenflugzeug. Was denken ‚die‘ sich eigentlich dabei, war seine Frage. Also ‚die‘, die entscheiden, was in diese Kalender hineinkommt. Da es sich in diesem Fall um einen ‚gekauften‘ und keinen gebastelten Kalender handelte, war ich aus dem Schneider. Aber natürlich war mein Interesse geweckt.

Vielleicht, so mein Erklärungsversuch, haben ‚die‘ gedacht, dass Jungen Flugzeuge im Adventskalender cool finden. Die Haltung meines Sohnes aber war klar. So etwas gehöre nicht zu Weihnachten. Er wolle lieber ‚Weihnachtsmützen‘ oder Sterne in den Kalendern.

Mein Sohn ist ein ganz normaler Junge, der Fußball spielt und Star Wars liebt. Aber Kinder haben ein sehr gutes Gespür dafür, ob etwas passt oder nicht. Sie ‚glauben‘ eher an Körpersprache, Mimik und Tatsachen, denn an das gesprochene Wort. Und sie merken schon in der alltäglichen Kommunikation, wenn zweierlei Botschaften gesendet werden. An ein trauriges Gesicht mit den Worten ‚mir geht es gut‘ wollen sie nicht glauben. Erst wenn man sie lange genug mit diesen ‚Double bind‘-Botschaften ‚irritiert‘, trauen sie ihrem eigenen Instinkt nicht mehr über den Weg.

Bis dahin aber freuen sie sich auf den Winter und das dazugehörige Schlittenfahren und auf den Sommer wegen des Eisessens. Sie lieben es, abends eine Geschichte vorgelesen zu bekommen. Jeden Abend.

Tagesabläufe, Jahreszeiten und Rituale sind für Kinder nicht nur wichtig und Halt gebend. Es sind entscheidende Bewertungszusammenhänge. Und diese Zusammenhänge werden im Marketing oftmals außer Acht gelassen.

Das verkennt die geheime Intelligenz der Kinder. Sie nehmen differenzierter wahr. Es verkennt auch die Grundbedingungen von Kommunikation und Produktmarketing. Alles, wirklich alles kann nur in seinem Gesamtzusammenhang betrachtet werden.

Wir sollten ihren Strukturierungen folgen, um komplexe Werbebotschaften und unsinnige Produktplatzierungen zu vermeiden. ‚Weihnachten‘ ist dann auch wieder im Dezember und fängt nicht schon im September an.

Die Autorin:

Ines Imdahl ist Psychologin und Inhaberin der Marktforschungsagentur Rheingold Salon. Sie ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Ines Imdahl ist Psychologin sowie Inhaberin und Geschäftsführerin des Rheingold-Salons. Quelle: Ulrike Reinker
Ines Imdahl
/ Psychologin, Inhaberin Rheingold Salons

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