Der Werber-Rat
Im Haifischbecken

Dem großen Wahlkampf folgt nun ein kleiner. Hier sind nicht andere Parteien, sondern innerparteiliche Flügel Gegner. Wenn Sigmar Gabriel dieses Haifischbecken überlebt, ist seine Führungsrolle sicher.
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„Seid spontan!“ Diesen Appell beherrschen Eltern virtuos: „Spinat ist doch lecker!“ oder „Schlaf schnell ein!“

Das Ergebnis ist oft mickrig. Der Befehl erzeugt nicht das gewünschte Verhalten, sondern eine Verhaltung, nicht die erwünschte Lust, sondern verstärkten Frust und - nebenbei - Misstrauen in die zugewiesene oder natürliche Autorität des Gegenübers.

Gegenwärtig spielen Medien und Sozialdemokraten in diesem Stück. Es hat unfreiwillige Komik, ist aber lehrreich. Man will mehr Basisdemokratie. Befragte Wähler wollten vorher mehrheitlich eine Große Koalition, haben sie dann gewählt, wollen sie immer noch. Ein erfolgreich ausgehandelter Koalitionsvertrag erscheint aber nur als die halbe Miete. Er wirkt wie eine Rechnung ohne den Wirt. Ob er unterschrieben und gültig wird, darüber sollen SPD-Mitglieder allein entscheiden.

Wenn man an die Kommentare zuvor geglaubt hätte: ein mutiger Schritt nach vorn. „Transparenz“ und „Teilhabe“ sollen beim Wort genommen werden. Nachdem das Realität ist, werden die medialen Geschützstellungen geschwind gewechselt. Die Genossen sollen zwar abstimmen, aber ein „Nein“ sei eine Katastrophe für die gesamte Führung, ein „Ja“ Einknicken vor deren Ver-Führungskunst.

Die Basisabstimmung soll verfassungsrechtlich bedenklich sein, unken einige. Andere deuten sie als verdünnte Verantwortlichkeit eines unsicheren Vorstands und heimliche Hoffnung, den für diese Partei nicht unüblichen „Willen zur Ohnmacht“ moralisch eindrucksvoll zu verbrämen. Die Parteioberen beharren auf einer Sachdebatte. Mediale Beobachter und anonyme Blogger stellen beständig Machtfragen - bitter darüber, dass man sich noch nicht in festgelegte Personalfragen verbeißen kann.

Odysseus hatte es leicht. Er stopfte sich und seinen Gefährten Wachs in die Ohren. So mussten die in die Irre führenden Sirenenklänge draußen bleiben.

Dem großen Wahlkampf folgt nun ein kleiner. Hier sind nicht andere Parteien, sondern innerparteiliche Flügel Gegner. Wenn Sigmar Gabriel auch dieses Haifischbecken überlebt, ist seine Führungsrolle gesetzt. Er hat die rot-rote Ypsilanti-Falle umgangen und für seine Partei neue Chancen eröffnet.

Der Autor:

Bodo Hombach ist Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik und Vorstand der Brost-Stiftung. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare zu " Der Werber-Rat: Im Haifischbecken"

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  • Zitat : Ein erfolgreich ausgehandelter Koalitionsvertrag erscheint aber nur als die halbe Miete. Er wirkt wie eine Rechnung ohne den Wirt. Ob er unterschrieben und gültig wird, darüber sollen SPD-Mitglieder allein entscheiden.
    - der Koalitionsvertrag, bzw. das LÜGEN-PAMPHLET, ist ein unverbindlicher NONSENS !

    Gabriel versucht mit Abstimmung über dieses Papier seiner Basis einzubläuen, dass diese mitentschieden hätten !
    NICHTS dergleichen !
    Über die Kanzlerkandidatur und Ministerbesetzung durften und dürfen die SPD-Kälber nicht mitentscheiden !
    Diese Mitbestimmung ist eine getürkte Alibi-Aktion des Politclowns Gabriel, der zusammen mit dem Agenda-Vater Steinmaier, aaligen Wendehals Oppermann, Quoten-Nahles und Schwesig, sich ein warmes Nestchen unter Muttis Rock für die nächsten 4 Jahre sichert.
    Die SPD - Basis stimmt für die Regierungsfähigkeit der CDU ab, sonst nichts !
    Die SPD ist Steigbügelhalter und Mehrheitsbeschaffer für die CDU !
    DANK GABRIEL !
    Da er wegen Zusammenregierens mit der CDU gegen diese auch keinen Wahlkampf machen können wird, werden die SOZIS sich 2017 um die 8 % einpendeln.....wohin ein Mehrheitsbeschaffer auch hingehört !

    Vielleicht verschwindet diese Partei auch ganz !

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