Der Werber-Rat
Katzen auf Facebook

Katzenbilder werden massenweise auf die Facebook-Seiten heraufgeladen. Die Vierbeiner symbolisieren Individualität und Sehnsucht nach Gemeinschaft. Wie geschaffen für soziale Netzwerke.
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Es ist an der Zeit, eine Inhaltsanalyse der Posts auf Facebook vorzunehmen. Denn der Inhalt der Bilder verteilt sich keineswegs zufällig oder gleichmäßig. Bei Katzenfotos zum Beispiel gibt es viele Likes zu holen. Jenseits der Frage, warum es den Menschen wichtig ist, Likes einzusammeln, bleibt doch die Frage, wieso posten und liken die Menschen so viele Katzen? Denn neben Babybildern und Handyuploads von dampfenden Gerichten, die man in nächster Minute zu verspeisen gedenkt, ist die Katze vermutlich der am häufigsten vorkommende Bilderinhalt.

Das ist sie im Übrigen auch im echten Leben, nämlich in den deutschen Haushalten. Hunde und Katzen entwickeln sich schon seit Jahren zunehmend zu Partner- und Kinderersatz. Denn im Gegensatz zu früher möchten die Menschen zu ihren Tieren heute eine stärkere emotionale Beziehung haben. Auch die Art der Beziehung, die gewünscht ist, verändert sich. Für immer mehr Tierfreunde stellt die Katze ein besonders zeitgemäßes Beziehungsmuster dar. Sie löst damit den Hund ab.

Auf rationaler Ebene scheint die Katze pflegeleichter. Tatsächlich aber geht es um mehr als Zeitersparnis. Katzenhalter schwärmen davon, wie ihr „Tiger“ draußen sein Revier verteidigt. Sie lieben das Ungezähmte und Unzähmbare ihrer Katze. Auf der anderen Seite berichten sie vom domestizierten Schmusetiger, der sich schnurrend an sie kuschelt - zumindest dann, wenn eine Dose geöffnet werden soll. Die ideale Katze soll eigenwillig Ungezähmtes und schmusig Domestiziertes in sich vereinen. Sie ermöglicht damit eine Beziehung zwischen freizügiger Individualisierung und häuslicher Gemeinschaft wie sie von vielen gewünscht wird.

Wie geschaffen für die heutige Zeit - und für Facebook. Denn auch hier geht es vor allem um Individualisierung auf der einen und das Gemeinschaftsgefühl auf der anderen Seite. Es klingt wie ein Paradox, aber auf Facebook möchten die Menschen durch ihre Eigenwilligkeit in der Gemeinschaft gut ankommen. Individualität und Abgrenzung allein reichen heute anders als in den 90er-Jahren nicht mehr aus. Katzen symbolisieren wie kein anderes Tier diese Doppelheit aus Individualität und Sehnsucht nach Gemeinschaft. Aber natürlich gibt es auch Hunde auf Facebook.

Die Autorin:

Ines Imdahl ist Psychologin und Inhaberin der Marktforschungsagentur Rheingold Salon. Sie ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Ines Imdahl ist Psychologin sowie Inhaberin und Geschäftsführerin des Rheingold-Salons. Quelle: Ulrike Reinker
Ines Imdahl
/ Psychologin, Inhaberin Rheingold Salons

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