Der Werber-Rat
Kein Werbe-Aus bei ARD und ZDF

Die Ministerpräsidenten der Länder wollen bald darüber beraten, ob die öffentlich-rechtlichen Sender künftig werbefrei sein sollen. Doch eine solche Entscheidung wäre für viele Firmen ein schwerer Schlag.
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Fernsehen in Deutschland ist mitunter eine eintönige Angelegenheit: Talkshows, Kochshows, Castingshows – auf allen Kanälen flimmern die immer gleichen Formate. Die Sendermarken verschwimmen zusehends, der Zuschauer erkennt mitunter nur am Senderlogo auf dem Bildschirm, welchen TV-Kanal er gerade eingeschaltet hat. Heidi Klum steht für Pro Sieben, Dieter Bohlen für RTL, der „Tatort“ für die ARD, die "heute-show" für das ZDF – aber sonst? Wissen Sie, auf welchem Sender „Rote Rosen“ läuft? „Geheimnisse der Berge“? Oder „Topfgeldjäger“?

Deutlich prägnanter als die meisten Programme sind da schon die Debatten über die Finanzierung der öffentlich-rechtlichen Sender. Die GEZ-Gebühr, vor gut zwei Jahren in das wohlklingendere Wort Rundfunkbeitrag umbenannt, wird bis 2016 voraussichtlich 1,5 Milliarden Euro mehr in die Kassen spülen als erwartet.

Um diese üppigen Mehreinnahmen wird nun gestritten wie in einem Doku-Drama: Da sind die Bürger, die monatlich weniger zahlen wollen. ARD und ZDF verbuchen einen Großteil des Geldes gedanklich bereits für sich. Die private Senderkonkurrenz will den Öffentlich-Rechtlichen Werbefreiheit verordnen. Und die Politiker können sich rundfunkpolitisch richtig ins Zeug legen.

Und damit bin ich bei meinem Punkt. Die Ministerpräsidenten der Länder wollen offenbar bald darüber beraten, ob die öffentlich-rechtlichen Sender künftig werbefrei sein sollen. Die Gleichung lautet: Ein Werbe-Aus kostet ARD und ZDF jährlich rund 500 Millionen Euro – und die ließen sich durch die Mehreinnahmen bei der Rundfunkgebühr ausgleichen.

Mal abgesehen davon, dass damit eine finanzielle Entlastung der Bürger obsolet ist – eine solche Entscheidung wäre für sehr viele Unternehmen ein schwerer Schlag. ARD und ZDF, die ohnehin nur in engen Grenzen TV- und Hörfunk-Spots senden dürfen, sind für die werbetreibende Wirtschaft kaum verzichtbar.

Wer ältere, kaufkräftige Zielgruppen erreichen will, wer gut gebildete Konsumenten mit hohem Einkommen im Fokus hat, wer etwa Pharmaprodukte oder Finanzdienstleistungen anbietet, der braucht ARD und ZDF. Und wer sich vor einem Werbemonopol der Privatsender fürchtet, sowieso. Trotz „Topfgeldjäger“.

Kommentare zu " Der Werber-Rat: Kein Werbe-Aus bei ARD und ZDF"

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  • Senderreihen a´la ARTE, 3SAT, Phoenix, Tagesschau24 und ähnliche Spartenkanäle möchte ich gar nicht missen; ARD und ZDF selbst...naja...wie die Dame es bereits in ihrem Kommentar ausführte: ältere Menschen mit frühabendlicher Dauerberieselung a´la " xxx....fragen Sie Ihren Arzt oder Aphoteker ..." sind hier klar das Klientel.

    Eine TV-Landschaft wie in Italien oder Brasilien finde ich auch nicht erstrebenswert; aber die Zwangsfinanzierung und der derart aufgeblähte hochdotierte Wasserkopf der ÖR....gehört nicht in eine Unternehmung die sich ungeniert am Geld des Bürgers bedient und nicht erkennen lässt, sparsam und sinnvoll mit dem ihm zur Verfügung gestellten Finanzen umzugehen.

  • Öffentliche abschaffen! Ab sofort nur noch Verblödungsfernsehen ala Bauer sucht ....

    Bildung schadet, und Kritik sowieso.

    Also den ÖR schnell die Gelder entziehen, und nur noch Verblödungs-TV zulassen.


    Übrigens, jeder zahlt für H4-TV, ob man es will oder nicht. Bei allen beworbenen Produkten zahle ich als nichtseher trotzdem den Werbeanteil mit - ob ich will oder nicht - auch eine Zwangsabgabe!

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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