Der Werber-Rat
Keine halben Sachen

Das Thema ist nicht neu, brennt aber vielen unter den Nägeln: Wie lassen sich Kinder und Karriere miteinander vereinbaren? Und sind junge Eltern dank „Trainingseinheiten“ nicht die stressresistenteren Mitarbeiter?
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Ich staunte nicht schlecht: Da lag ein großer Müllsack in Katharinas Büro. Meine Münchner Kollegin war mit ihrem Töchterlein auf dem Weg in den Kindergarten in ein gewaltiges Schneegestöber geraten. Auf dem Fahrrad. Was nun? Umkehren? Taxi bestellen? Alle Termine absagen? Schnurstracks wurde aus dem obligat mitgeführten Polyesterfabrikat ein reisekompatibles Schutzzelt angefertigt (frühere YPS-Leser mögen sich erinnern).

Mütter sind, bedingt durch die sehr spezielle und unbezahlbare Trainingseinheit „heranwachsendes Kind“, massiv stressresistent. Sie können Probleme von Problemchen in der Geschwindigkeit eines Wimpernschlags analysieren und sind Meisterinnen der Improvisation.

Letztes Jahr schrieb ich deshalb an dieser Stelle einen schwärmerischen Tatsachenbericht über die „Generation Frau“. Ich erhielt daraufhin Einladungen zu Kongressen und sollte mit Arbeitgebern über verpeilte Personalpolitik, Elternzeit und Wiedereinstieg von Müttern in den Beruf diskutieren.

Viele Mütter und Väter beklagen einen holprigen und unsensiblen Umgang mit dem Thema Elternzeit. Und manche Mutter sieht sich um ihre Chancen gebracht, nach einer aufopferungsvollen Zeit wieder an ihren Arbeitsplatz zurückzukehren.

Kann man heute auch halbtags volle Verantwortung übernehmen? Alles eine Frage der Einstellung. Irgendwann sollte jedes Unternehmen im Jahr 2015 angekommen sein. Neue Arbeitsmodelle, neue Formen der Zusammenarbeit sollten längst Normalität sein.

Die besten Talente suchen sich heute ihre Arbeitgeber eh nach einem völlig neuen Wertesystem aus. Bin ich nur Arbeitskraft? Oder bin ich Teil einer großen Sache, die mir nicht gleich um die Ohren fliegt, nur weil mein Kind mal krank wird?

Wir sind noch ganz am Anfang. Entscheidend ist, ob ich als Unternehmer wirklich einen Weg finden will oder nur so tue, als ob. Das hat jetzt mit Werbung eigentlich nur bedingt zu tun. Vielleicht so viel: Es ist grundsätzlich die beste Werbung in eigener Sache, sich des Themas aufrichtig anzunehmen.

Apropos: Ich muss Schluss machen, unser Töchterchen muss zum Arzt. Aber keine Bange, ich werde nächsten Dienstag wieder pünktlich zur Stelle sein.

Der Autor:

Armin Jochum ist Vorstand Kreation und Co-Gründer der Agentur Thjnk. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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