Der Werber-Rat
Killing Fields im Dorf

Etwas läuft falsch in einem Haus unseres Dorfes: Tyrann gegen Bewohner. Der Rat der Dorfgemeinschaft ist ratlos, die Polizei bleibt tatenlos. Wer denkt dabei an Syrien?

Ein Bewohner tyrannisiert seit langem die Leute, die in seinem Haus wohnen. Die wehren sich zunächst friedlich. Das nimmt er ihnen übel, holt Waffen aus dem Schrank und bringt viele von denen um, die sich ihm nicht unterwerfen.

Seit zwei Jahren tut er das. Über hunderttausend Leute sind umgekommen, sieben Millionen - ein Drittel der Bewohner dieses Hauses - sind auf der Flucht. Ruinen überall. Das ursprünglich schöne Haus brennt an vielen Ecken. Die Flammen drohen auf die Nachbarhäuser überzugreifen.

Weil sie den Aufstand nicht niederschlagen können, benutzen seine Generäle eine besonders schreckliche Waffe. Sie dürfen sie eigentlich gar nicht besitzen. Die Dorfgemeinschaft hat sie schon vor langer Zeit nach schlimmen Massakern verboten. Alle sind erschrocken. Der Dorfpolizist sagt, seine Geduld sei zu Ende.

Da hat der Tyrann eine Idee. Er verspricht, die schreckliche Waffe abzugeben, dann seien doch alle zufrieden. Er kann weiterhin Leute in seinem Haus umbringen; halt mit anderen Waffen. Er hat ja genug davon.

Er ist nicht allein. Er hat Komplizen im Dorf. Einer führt das Waffengeschäft, will ihn als Kunden nicht verlieren. Er will auch nicht, dass das ganze Haus in die Luft fliegt. Es eignet sich gut als Stützpunkt für Aktivitäten in der Umgebung. Was ist zu tun?

Da gibt es noch den Rat der Dorfgemeinschaft. Der ist eigentlich dafür zuständig, dass solche Katastrophen nicht passieren. Bisher hat er tatenlos zugesehen. Leider kann er nur einstimmig entscheiden. Auf innerstaatliche Kriege hat man ihn nicht vorbereitet. Auch sitzen Dulder im Rat: Im eigenen Haus könne jeder machen, was er will.

Und der Polizist? Er könnte gegen die Regel auf eigene Faust handeln, dem Tyrannen wenigstens einen Stein ins Fenster werfen. Der trifft ihn dann zwar nicht, denn er sitzt längst im sicheren Keller. Er trifft eher andere Leute im Haus. Aber vielleicht kriegt er ja wenigstens einen Schrecken - und mordet danach nicht mehr so brutal weiter...

Ganz klar: Da läuft etwas falsch in unserem Dorf. Wir sollten uns über seine Spielregeln dringend Gedanken machen. Der historische Fortschritt „Vereinte Nationen“ muss weiterentwickelt und darf nicht demontiert werden.

Der Autor:

Bodo Hombach ist Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik und Vorstand der Brost-Stiftung.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%