Der Werber-Rat
Kommunikation aus Beton

Das Gefühl zuhause zu sein kommt nie aus der Mode. Unternehmenschefs sollten sich daher fragen: Gehen ihre Mitarbeiter nur ins Büro – oder an einen besonderen Ort? Architektur ist eine Dimension der Unternehmenskultur.
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ZumFlughafenInDenFliegerRausZumTerminInsHotelDieTürGehtAuf: Huch!

Ruhe. Ich bin in einer anderen Welt. Tatsächlich. Wie lange hatte ich das nicht mehr erlebt? Nicht einfach ein Hotel, das alles richtig macht, sondern ein ganz besonderer Ort. Es roch gut, nach Kaminfeuer. Das Licht war angenehm gedimmt, ein richtiger Klavierspieler saß an einem richtigen Klavier. Altmodisch? Piepschnurzegal.

Das Zuhausegefühl kommt nie und nimmer aus der Mode. Alles war geräuschlos, unaufgeregt und qualitativ nicht zu schlagen. Ich dachte mir: Wie geht es wohl unseren Kunden, wenn sie zum ersten Mal bei uns in der Agentur sind? Kommen sie gerne zu uns, fühlen sie sich wohl?

Klar sind unsere Kunden in erster Linie wegen unserer Arbeit bei uns. Wie in jeder anderen Agentur auch. Trotzdem hat mich das sehr beschäftigt. Also bin ich nach meiner Rückkehr einmal ganz aufmerksam zur Türe hereingegangen. Dann in den Aufzug. Riecht der immer so? Wieso steht hier eine Sprudelkiste neben der Tür?

Viele Firmen wissen, dass das beste Produkt immer noch die beste Kommunikation ist. Ich würde nun gerne noch einen Ort hinzufügen, der manchmal den ganz großen Unterschied macht: nämlich den, an dem die Produkte entstehen.

Gehen die Leute nur ins Büro – oder an einen besonderen Ort? Wer einmal bei Vitra in Weil am Rhein war, der weiß, wovon ich spreche. Das ist keine Firmenzentrale, das ist ein Pilgerort. Hier verschmilzt die Architektur mit der gefühlten DNA der Marke.

Wer Claudia Willvonseder, die weltweite Ikea-Markenchefin, in Helsingborg besucht, kommt nach abenteuerlicher Anreise mit Flugzeug, Metro und Fähre aus dem Staunen nicht mehr heraus: Ist das noch ein Bürokomplex? Man fühlt sich inmitten eines großen Spielplatzes, der zum Entdecken und Probewohnen einlädt.

Architektur ist ein wichtiges Differenzierungsmerkmal – und mindestens dritte Dimension der Unternehmenskultur. Menschen, die in so einem Umfeld arbeiten, haben oft auch eine andere Verbindung zu ihren Unternehmen – und werden nicht selten zu begeisterten Botschaftern ihrer Arbeitgeber. Aber Obacht: Es muss nicht zwingend ein Klavierspieler im Empfangsbereich sitzen.

Der Autor:

Armin Jochum ist Vorstand Kreation und Co-Gründer der Agentur Thjnk. Er ist einer von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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