Der Werber-Rat: Kommunikationsdesaster Zypern

Der Werber-Rat
Kommunikationsdesaster Zypern

Starke Staaten stützen schwache in Zeiten der Finanz- und Wirtschaftskrise und bekommen dennoch Schelte. Was läuft nur falsch in der Diskussion über die Euro-Krise? Ein Perspektivwechsel muss her.
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Für Zyprioten war das Glas halb leer. Ihren Politikern und Bankern schien gelungen, vom eigenen Versagen abzulenken. Das üppig zahlende Deutschland wurde als Sündenbock ausstaffiert. Das Volk zog wütend auf die Straße.

Dabei war das Glas halb voll. Ein ARD-Korrespondent in Brüssel traf den Nagel auf den Kopf: Man sollte den Zyprioten sagen: „Hört her! Eure Banken stehen vor dem Crash. In Kürze verdunstet euer Geld. Es gibt eine Chance, um eure Einlagen zu erhalten: Verzichtet auf Zinsen der letzten vier Jahre. Dann kommen zehn Milliarden aus Europa. Was haltet ihr davon?“ Vermutlich hätten alle zugestimmt.

Das Debakel – ein Kommunikationsfehler ersten Ranges? Die großen Entscheider in Brüssel und anderswo – diplomatische Stümper? Sollten nicht alle das kleine Einmaleins der Kommunikation lernen? Die Fragezeichen sind Höflichkeitsfloskeln. Ausrufezeichen wären ehrlicher.

Nebenbei wird den mit Niedrigzinsen abgespeisten Sparern hier ihr Substanzverlust als Bankenrettungsbeitrag für die, die weniger sparen, verkauft. Dass sie für Kapitalerträge zu wenig Steuern zahlen, schreien ihnen tägliche Schlagzeilen entgegen. Einen erstaunlichen Paradigmenwechsel gab es. Dass Staatsschulden mit Bankenrettung zu tun haben, scheint vergessen. Man nennt es nun Euro-Krise. Trotz guter Taten aus Berlin gibt es Prügel.

Blockaden entstehen im Gehirn. Es kommt nicht nur auf Tatsachen an, sondern darauf, welches Bild wir uns davon machen. Wie sie gehört werden, hängt vom Zustand der Beziehungsebene ab. Ist diese gestört, braucht man gar nicht erst den Mund aufzumachen. Man kann sich nur Ärger und Widerstand einhandeln. Gute Kommunikatoren verstehen es, selbst eine Hiobsbotschaft erträglich auszusenden.

Ein Sultan träumte, dass alle Vögel in seinem Garten vom Baum fielen. Er rief den Traumdeuter. Der machte düstere Miene: „Wehe dir! Alle deine Verwandten werden bald sterben.“ Wütend ließ der Sultan ihn köpfen. Der zweite Traumdeuter war klüger: „Freue dich, o Herrscher der Gläubigen“, strahlte er, „du wirst alle deine Verwandten überleben!“ Der Sultan war glücklich, und reich beschenkt ging der Mann davon. Er hatte es verdient.

Der Autor:

Bodo Hombach ist Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik.

Kommentare zu " Der Werber-Rat: Kommunikationsdesaster Zypern"

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  • Wir sind auch fuer die AfD. Dann bekommen wir das 52te paket und die 34te rettung. Das ist auch gut so denn vom naechsten Hilfspaket brauch ich auch ein paar tausender. Wie soll ich sonst Siesta machen. Wir koennen doch nicht alle "Deutsche" werden. Es gibt ja genug von Euch *smile*

    Kalimera an alle und beruhigt euch. Wer nicht kommen will muss nicht. Was gibts da noch zu jammern?

    Armes Heutiges Deutschland

  • Der Umgang mit dem Euro wird allgemein als unfair bewertet.

    Wer sich mit Gehirnforschung auskennt weiß, daß das Schmerzzentrum aktiviert wird bei demjenigen, der einen Umstand als unfair empfindet. Hier wird die gleiche Stelle im Gehirn gereizt wie bei einer schmerzhaften Wurzelbehandlung. Interessant, oder?

    Mal angenommen, der Euro ist das beste, was uns passieren konnte. Nützt aber nichts - denn emotional beschert er uns Schmerzen. Die Beziehungsebene der Menschen untereinander ist gestört. Im Kampf Verstand gegen Gefühl gewinnt das Gefühl. Das ist das Problem mit dem Euro. Hinzu kommt, daß der Euro größeren Schaden anrichtet als Gewinn. Schaffen wir ihn in der bestehenden Form ab.

  • Ich würde, nach den Erfahrungen mit Griechenland, überhaupt nicht mehr STÜTZEN.Diese unverschämt-frechen Südländer sollten gezwungenermaßen durch Entzug der Mittel Ihre eigene Verantwortung für ihr Handeln übernehmen. Mit allen Folgen und für uns Deutsche ein Schrecken mit ENDE !!

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