Der Werber-Rat
Konzernlenker brauchen mehr als Sanftmut

Zurückhaltend und flexibel sollen sie sein, die neuen Vorstandschefs. Doch an der Unternehmensspitze braucht es auch Angriffslust zum Erfolg. Die wahren Helden der Wirtschaft sind niemals eindimensional.
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Deutschlands Wirtschaftskapitäne sind auf Erfolgskurs. Trotz rauer See und globaler Konjunkturflaute haben sie ihre Unternehmenstanker zu neuen Gewinnufern gesteuert. Das ist dieser Zeitung eine Titelgeschichte wert, um die erfolgreichen Profitmacher vier Seiten lang zu feiern. So weit, so verdient. Ein flexibles Geschäftsmodell, große Kundennähe und ein kleines Ego werden als Variablen einer neuen Erfolgsformel definiert. Das Modell Middelhoff ist out, von Bomhard ist in.

Das ist en vogue, mir persönlich sympathisch - aber im letzten Punkt leider falsch. Ein kleines Ego ist keine Voraussetzung für großen Erfolg. Fragen Sie Ferdinand Piëch, Karl Lagerfeld oder Larry Ellison. Sein Freund Steve Jobs, Managerikone unseres Jahrzehnts, hatte ein Ego, das größer war als Apple. Zurückhaltung kannte er nur beim Yoga, und sympathisch ist ein Wort, das in seiner 704 Seiten starken Biografie nicht vorkommt. Er wurde zum „iGod“ und schuf aus Ruinen das wertvollste Unternehmen der USA.

Liebe Manager, es gibt kein Idealbild. Sie müssen weder schlank, noch nett, noch zurückhaltend sein. Sie müssen in Ihrer Freizeit nicht Marathon laufen und in Fragebögen nicht Ungeduld als Ihre größte Schwäche eintragen.

Manager sind keine Schauspieler und CEO ist keine Rolle. Geben Sie Ihrer Individualität Raum. Können, Charakter und Kontinuität erhöhen Ihre Gestaltungskraft. Darum ist der polternde Sanierer Mehdorn gut für Air Berlin, der warmherzige Herr von Metzler eine Säule seiner Bank und die schillernde Frau Schaeffler eine Identifikationsfigur für ihr Unternehmen. Marken sind unverwechselbar, nicht austauschbar.

Sympathie und Zurückhaltung sind für den Erfolg nicht spielentscheidend. Wichtiger ist, dass zum Können Charakter kommt und Sie stimmig in Denken, Reden und Handeln sind. Das schafft Akzeptanz. Uli Hoeneß ist nicht der sympathischste, aber der akzeptierteste Fußballmanager unseres Landes. Wir wissen, was ihn bewegt.

Zurückhaltung ist vornehm, aus Markensicht aber nicht ungefährlich. Ein Topmanager braucht Bekanntheit. „Man vertraut nur dem, den man kennt“, sagt Marketingpapst Heribert Meffert. Sie führen Tausende von Menschen. Je vertrauter Sie Ihren Mitarbeitern und Ihren Kunden sind, desto höher das Vertrauen. Vergessen Sie das Idealbild. Aus Markensicht ist es sogar wertvoll, wenn Sie eine große Brille tragen, Tischtennis lieben und Ukulele spielen. Fragen Sie Warren Buffett.

Der Autor:

Frank Dopheide ist Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare zu " Der Werber-Rat: Konzernlenker brauchen mehr als Sanftmut"

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  • Führungspersönlichkeiten kommen von der Venus und Manager vom Mars
    Sind (gute) Konzernlenker Manager oder Führungspersönlichkeiten? In der letzten Zeit sieht man ein zunehmendes Interesse an Führung und Management. Das ist nicht überraschend in turbulente Zeiten. Im Wirtschaftsleben wird oft die Frage gestellt, und es werden manchmal unterschiedliche Antworten darauf gegeben. Ich denke, dass Manager und Führungspersönlichkeiten das nicht brauchen. Die beiden haben nämlich unterschiedliche Beiträge zum Erfolg eines Unternehmens. Führungspersönlichkeiten kommen von der Venus und Manager vom Mars. Manager lösen „geschlossene Probleme“: z.B. Quartalsgewinn. Sie wissen, dass es einen Punkt B (Gewinn) gibt und handeln danach. Eine wahre Führungspersönlichkeit würde sagen: das ist Punkt B, und wenn Sie das auch so sehen, schließen Sie sich mir an. Ist Gewinn tatsächlich unser Punkt B mit Sanierung als Zwischenlandung? Führungspersönlichkeiten kommunizieren über den Punkt B (I have a dream), und überzeugen die anderen, diesen Punkt auch als Destination zu sehen. Manager, die führen, gibt es nicht, weil sich diese zwei Gruppen wie Tag und Nacht unterscheiden. Führungspersönlichkeiten sich übrigens dessen nicht bewusst, dass sie führen. Che und Mandela wussten nicht, dass sie „Che“ und ‚Mandela“ waren. Chase the vision, not the money- ist Motto der Führung. Unternehmen brauchen (gute) Manager, da haben Sie recht, und Menschen…? Sie haben Führungspersönlichkeiten nötig.
    Also, an Managern mangelt es in Deutschland deutlich nicht, wie steht es abermit der wahren Führung?

  • Ein erfolgreicher Manager soll sein Unternehmen kennen und diesem lange erhalten bleiben. Wenn der Vorstand über Jahre hinweg planen kann und Erfahrung sammeln kann und das Unternehmen gut kennt ist das sicher von Vorteil. Zum Beispiel bei Schaeffler hat Herr Geißinger schon das Ruder in der Hand und sämtliche Übernahmen erfolgreich geführt. Die Übernahme der FAG durch Schaeffler, sowie dann die erfolgreiche Conti Übernahme, und Conti steht jetzt wieder gut aufgestellt da.

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