DER WERBER-RAT
Lass uns was mit Liebe machen!

Noch nie wurde in der Werbung so viel geliebt wie in den vergangenen Jahren. Doch das Thema scheint immer noch nicht ausgereizt. Wie differenzierend kann das noch für eine Marke sein?
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Die Liebe. Seit Jahrtausenden inspiriert sie die Menschheit. Dichter. Denker. Komponisten. Das größte Gefühl im zwischenmenschlichen Beziehungsgeflecht ist verantwortlich für die größten kreativen Leistungen der Menschheit.

Kein Wunder also, dass sie auch in der Welt der Auftragskommunikation keine unerhebliche Rolle spielt. „Wir lieben Autos“, versicherte VW schon vor Jahren. „Ist es Liebe?“ fragte Mini seine Fans. Condor liebt das Fliegen, Edeka seine Lebensmittel. Leberwurst wird dort grammweise geliebt, Suppendosen angehimmelt und Gurken verehrt. Auch bei McDonald's wird alles geliebt. Vor allem von den Kunden. Mit nicht unerheblichen Folgen für das Körpergewicht. Die arme Liebe ist also schon sehr strapaziert. Das Schöne an einem so großen Gefühl ist ja, dass gar nicht genug geliebt werden kann.

Jetzt sagt uns auch Deichmann, dass sie Schuhe lieben. Das Gefühl kenne ich, denn ich liebe meine Schuhe auch. Es handelt sich also um einen nachvollziehbaren „Consumer Insight“. Nun sind die Einstellungen und Motive einer Zielgruppe ja nicht zwingend differenzierend. Aber Kampagnen müssen es sein.

Stellen wir uns vor, diese Liebeswelle ergriffe auch den Rest aller Markenverantwortlichen. Nicht nur VW, sondern auch Mercedes, Opel, Ford und BMW würden ihre Autos liebenswert finden. Die sind schließlich ebenfalls mit Liebe gebaut worden. Vodafone würde Kommunikation lieben. Die Telekom schlösse sich an und liebte intensiv zurück. Nicht nur McDonald's liebte es zu lieben. Auch Burger King entdeckte für sich die große Liebe.

Nicht nur Deichmann, auch andere Schuhhändler und Marken würden unterschreiben, dass auch sie sehr verliebt in ihre Schuhe sind. Wir Konsumenten hätten am Ende keine Idee mehr davon, wer eigentlich noch für was steht. Und würden uns noch mehr langweilen, als wir es ohnehin schon tun. Welche Marke verspricht mir eigentlich was? Wer steht wofür? Nun wird es so weit natürlich nicht kommen. Aber ich wünsche mir Kampagnen und Markenbotschaften, die mir nicht vorkommen wie ein neuer Dieter-Bohlen-Song. Irgendwie bekannt. Aber jammern hilft ja nicht. Nur besser machen.
Die Autorin:

Britta Poetzsch ist Geschäftsführerin Kreation der Agentur Serviceplan Sales. Sie ist eine von sechs Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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