Der Werber-Rat
Lebensfreude statt Entsagung

Die vegane Lebensweise wird immer populärer und auch wirtschaftlich zu einer bedeutenden Größe. Der achtsame Umgang mit Tieren passt zum Trend von mehr Nachhaltigkeit in der Gesellschaft.
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Der neue Star unter Deutschlands beliebtesten Köchen ist Attila Hildmann. Seine Geschichte vom Moppel-Ich zum Veganer mit Traumkörper ist ein Dauerbrenner in den Medien. Seine Bücher über vegane Lebensweise und Küche erreichen Millionenauflagen.

Wurden Veganer, also Menschen, die auf den Verzehr und die Verwendung tierischer Produkte verzichten, noch vor ein paar Jahren als Exoten belächelt, entwickelt sich diese Lebensweise mittlerweile zu einer wahren Bewegung. 2011 ernährten sich nach Angaben der Veganen Gesellschaft Deutschlands bereits 800.000 Menschen ohne tierische Zusätze. Der Jahresumsatz mit speziellen Produkten liegt bei 194 Millionen Euro. Gemessen am Gesamtumsatz des deutschen Lebensmittelhandels in Höhe von 100 Milliarden Euro ein Tropfen auf den heißen Stein.

Aber die Bewegung wächst: Für 2012 wird mit einem Umsatzzuwachs von 19 Prozent gerechnet. So wie Bioläden und Reformhäuser den Weg in die Mitte der Gesellschaft gefunden haben, entwickelt sich die vegane Lebensweise in eine ähnliche Richtung.

Damit bringen sich auch die ersten Marken in diesem Segment in Stellung. Als Pionier gilt das Unternehmen Rapunzel, das alles vertreibt, was das Veganerherz höher schlagen lässt. Zur Profilierung der Marke ging das Unternehmen eine Kooperation mit Trendkoch Hildmann ein. Veganz, die erste vegane Supermarktkette mit Dependancen in Berlin, Hamburg und Frankfurt ist ebenfalls auf Wachstumskurs. Dabei strahlen die modernen Shops pure Lebensfreude statt Entsagung aus.

Mit Interesse dürfte die Lebensmittelbranche ein Gespräch mit Christian Rauffus, dem Chef des Wurstherstellers Rügenwalder Mühle im Handelsblatt gelesen haben. Nicht nur, dass er den Veggie-Day für eine gute Idee hält, er kann sich in seinem Sortiment durchaus Produkte auf Sojabasis vorstellen. Sich auf diese Weise als Vordenker zu positionieren, ist eine clevere Strategie des Fleischherstellers. Wenn seinen Worten Taten folgen, könnten mögliche Verluste durch weniger Fleischkonsum mit der neuen Zielgruppe ausgeglichen werden. Denn die vegane Bewegung ist kein Strohfeuer, sie ist vielmehr Ausdruck des gesellschaftlichen Trends zu mehr Nachhaltigkeit.

Die Autorin:

Uli Mayer-Johanssen ist Gründerin und Chefin der Markenagentur Meta-Design in Berlin. Sie ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Uli Mayer-Johanssen
Uli Mayer-Johanssen
/ Kolumnistin

Kommentare zu " Der Werber-Rat: Lebensfreude statt Entsagung"

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  • "Vegetarier kommt aus dem Indianischen und bedeutet - zu Dumm zum Jagen "
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    Der ist gut! :-)

  • "Sei nicht trotzig, denke noch einmal über alles in Ruhe nach und relax!"
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    Ich denke sehr viel über solche Themen nach, zumal ich ausgesprochen naturverbunden bin, weit über jeden "grünen" Modetrend hinaus. Und ich sehe nicht ein, auch nur ein Jota zurückzustecken, da ich ohnehin sehr bescheiden lebe und auf Luxus oder Statussymbole (dazu können auch Luxusnahrungsmittel gehören) keinerlei Wert lege.

    Im übrigen beuge ich mich zwar zähneknirschend und grollend menschengemachten Gesetzen, weil ich in dieser Umgebung leben muß, akzeptiere und respektiere aber freudigen Herzens nur die Gesetze der Natur, die schon uralt waren, als an Modeströmungen wie Vegetarismus noch nicht einmal annähernd gedacht wurde.
    Und die schließen den endlosen Kreislauf des Lebens von Fressen und Gefressen werden ein: Der Mensch ist nun einmal von Natur aus ein partieller Beutegreifer an der Spitze der Nahrungskette. Daran werden auch philosophische Moden nichts ändern, denn das gibt uns unser Metabolismus vor!
    Sollte diese Zivilisation durch irgend einen Vorfall (Krieg, Naturkatastrophen, was auch immer) zusammenbrechen, können die Vegetarier von mir aus grasen gehen oder Blätter sammeln. Ich werde im Zweifelsfall mit Speer, Pfeil und Bogen für meine Familie sorgen, wie wir Menschen (im weitesten Sinne) es schon immer taten.
    Vegetarismus oder gar Veganismus kann man sich in einer saturierten Gesellschaft als "Überzeugungstäter" leisten, unter natürlichen Bedingungen bedeutet diese Geisteshaltung das unweigerliche Ende.

  • ganz meine Meinung... ich erwarte Toleranz und Höflichkeit in beide Richtungen... ich will auch nicht geregelt werden, die Schulzeit ist zu Ende!

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