Der Werber-Rat
Löscher und die Freunde

Ob „Loser“ oder „Lichtgestalt“: Wie ein Abgang kommuniziert wird, entscheidet darüber, ob es einen Job nach dem Job gibt. Denn die Headlines können zu Treibsand werden und die Manager für immer strafen.
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DüsseldorfDiesmal hat es Peter Löscher getroffen. Der ansatzlose Haken seines Aufsichtsratschefs hat den Siemensboss kalt erwischt. In seiner Gewichtsklasse werden Fehler sofort bestraft. Schwache Zahlen, Selbstüberschätzung, fehlendes Standing oder Vertrauensverlust führen unmittelbar zum technischen K.o.

Dabei fühlt sich der Vorkämpfer stark und unschlagbar. „Man trifft im Leben immer zwei Flaschen. Seinen Vorgänger und seinen Nachfolger“, beschreibt Ex-Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann das Mindset der Elite. So fegt der finale Schwinger einen Boss immer unerwartet von den Beinen.

Nach verlorenem Kampf ringt er im Hinterzimmer um Abfindung, Fahrer und Mobiltelefon. Der ehemalige Titelträger verdrängt den Knock-out und freut sich über die gewonnene Zeit für Familie, Freunde und Dinge, die er immer schon machen wollte. Er vertraut auf sein Können, seine Reputation und seine Vernetzung.

Monate später kommt die Leere: Einladungen zu Branchentreffs bleiben aus, die Personalberater hüllen sich in Schweigen. Der Ex-Champion surft durchs Internet auf der Suche nach Jobs und Ablenkung. Schon auf den ersten Klick sind sie alle wieder da: die alten Geschichten. Das Internet vergisst nie. Das Medienecho zum Zeitpunkt des Abgangs hat ihn für alle Zeit als „Loser“ gespeichert. Google wird zur digitalen Berufssperre.

Wie ein Abgang kommuniziert wird, entscheidet, ob es einen Job nach dem Job gibt. Die Überschriften und der Platz zwischen den Zeilen werden zum Treibsand, der die Vorkämpfer auf ewig ins Abseits zieht. Mit nachlassender Aufmerksamkeit schwindet seine Kraft, das Bild geradezuhängen.

In diesem Fall rettet ihn nur der Münchhausen-Trick. Die Fähigkeit, sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf der Nichtbeachtung zu ziehen. Thomas Middelhoff beherrscht ihn meisterlich. Er stellte sich kurzerhand selbst ein und traf die unvorbereitete Öffentlichkeit mit der frohen Kunde seines neuen CEO-Postens bei einem internationalen Medienkonzern. Den will er gemeinsam mit dem chinesischen Unternehmer Herrn Wu und dessen Frau noch diese Woche gründen. „Ein Job wie ein Lottogewinn“, jubelt Middelhoff. Im Sport läuft das unter Eigenblutdoping. Wir warten gespannt auf seine Leistungsbilanz.

Der Autor:

Frank Dopheide ist Inhaber der Agentur Deutsche Markenarbeit. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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