Der Werber-Rat
„Made in China“ statt Haute Couture

Das amerikanische Team für die Olympischen Spiele kleidet sich in Uniformen „Made in China“ - ein Angriff auf die Ehre der Supermacht. Fest steht: Das Zeug muss weg, denn breite Produktionskompetenz gilt es zu schützen.
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Ein Super-GAU: Die Uniformen des amerikanischen Teams für die Olympischen Spiele - ohnehin kein Geniestreich der Haute Couture - sind "Made in China". Unmöglich. Schmach und Schande. Angriff auf die Ehre der Supermacht. Senatoren und Kongressabgeordnete eilten vor die Kameras und ließen ihre Seele kochen. Ein Ruck ging durch das Land der unbegrenzten Möglichkeiten: Das Zeug muss weg, und wir brauchen amerikanische Nähmaschinen.

Aber wo sind die? Sie stehen in Südkorea, in Taiwan und eben in China. So ist das. Wer in den USA einen Super- oder Baumarkt durchstreift, muss fleißig suchen, um Produkte aus amerikanischer Herstellung zu finden. Ungezählte Betriebe folgten der Parole: Raus aus dem eigenen Land! Globales "just in time", attraktive Lohnstückkosten, spendable Umweltstandards und weit und breit keine Gewerkschaften. Das war der Trend, wie bei den Spielen: "Dabei sein ist alles."

Somit wäre die Verkleidung der Sportler durch fernöstliche Massenschneiderinnen ein Gütesiegel weltweiter Arbeitsteilung. Grenzen und Handelsschranken sind überwunden. Nationale Kontaktsperren - ein Schmarren von gestern.

Doch es gab versteckte Kosten: Geld produziert kein Geld. Wertschöpfung ohne Produktion "is nich". Daheim stiegen die Arbeitslosenzahlen und die Sozialetats. Finanzierung von Arbeitslosigkeit wird teuer. Verbraucher verbrauchen weniger. Volle Regale sind schön und gut, solange die Portemonnaies der Kunden nicht leer sind.

Der neue Trend heißt: Ernüchterung. Ex-Kanzler Schröder ist weltweit begehrter Ratgeber, wie seine Agenda Deutschland besser als andere durch die Krise gelenkt hat. Die hat Arbeitsplätze erhalten und geschaffen und auch den Produktionsstandort gesichert. Das Sozialsystem blieb in der Krise finanzierbar.

Auf dem Globus werden Wege weit. Ein mittlerer Taifun oder somalische Piraten mit Außenborder und Panzerfaust bringen die Lieferfristen durcheinander. Politische Unruhen in den Gastländern überfordern die Abenteuerlust. Rasch steigen auch dort Löhne und soziale Ansprüche.

Oma sagte: "Man legt nicht alle Eier in einen Korb." Selbst arbeitsteilige Volkswirtschaften im globalen Netzwerk müssen auf zwei Beinen stehen. Ohne Pflege eigener Produktionskapazitäten wirft Krisenwind sie um. Deutschland ist behutsam mit seiner Tradition umgegangen. Breite Produktions-, Entwicklungs- und Energiekompetenz gilt es zu schützen. Kleider machen nicht nur Leute, sondern auch Nationen.

Der Autor:

Bodo Hombach ist Hochschullehrer und ehemaliger WAZ-Chef. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare zu " Der Werber-Rat: „Made in China“ statt Haute Couture"

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  • "Das Zeug muss weg" kann sich wohl nur auf gehirnkranke, von Nationalismus zerfressene VS-Politiker beziehen. Solche Spasties gehören auf den Müllhaufen der Geschichte.
    Man sollte noch mehr chinesische Produkte kaufen, da sie gut und preiswert sind.
    Ich fahre zum Beispiel seit vielen Jahren chinesische Reifen, und die sind gut !
    Fazit: NOCH MEHR DAVON !

  • In Deutschland gilt nach wie vor das Motto "Geiz ist geil", dafür werden dann en masse die Waren von China gekauft.Was das heisst, weiss jeder, der etwas Grips hat (leider aber nicht die Jugendlichen). Ich kann mich nur dem Vorgänger anschliessen, es werden weiterhin deutsche Unternehmen den Bach runter gehen. Hätte wir alle mehr Patriotismus im Blut und würden uns unsere Produkte kaufen, wären wir ein gesundes Land. Ich ignoriere China Produkte schon seit ewigen Zeiten!

  • In Deutschland wird auch schon lange fast nichts mehr wirklich produziert... Bei uns ist es genau so gelaufen wie in den USA.

    Als kleines Beispiel Offenbach. Früher waren dort unzählige Lederwarenhersteller angesiedelt und heute sind nur einzelne übrig. Die Anderen sind alle bankrott gegangen nachdem erst die Maschinen in die Turkei und dann nach Fernost geschickt wuden. Nachdem man die Firmen dort auf hohe Qualitätsstandards gebracht hat (deutsches Know-How) wurden die Deutschen nicht mehr benötigt.

    Generell sind über die letzten 10 Jahre unglaublich viele deutsche klein & mittelständische Hersteller den Bach runter gegangen. Herr Schröder hat denen damals auch nicht helfen können / wollen... denn nur mit den grossen (versuchten) Rettungen wie zB die Philipp Holzmann AG kommt man in die Nachrichten.

    Arbeite seit 17 Jahren im Exportbereich und kann die ganzen Hersteller gar nicht mehr zählen die heute nicht mehr existieren.

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