Der Werber Rat
Mega-Marke Malle

Mallorca ist ein Phänomen. Die Mittelmeerinsel schafft es, alle zufriedenzustellen: Die Massentouristen, die Sonne, Strand und Party wollen, und die Individualurlauber, die stattdessen Ruhe und Kultur suchen.
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Wir Touristen machen ja am liebsten dort Urlaub, wo es keine Touristen gibt. Außer uns natürlich. Das ist wohl der Grund, weshalb die holländische Küste oder Florenz und Istanbul oder auch der Geheimtipp an der Amalfitana, wie jedes Jahr, so überlaufen sind. Weil alle dort hinwollen. Und anschließend meckern, dass es jetzt aber wirklich mal genug ist mit den viel zu vielen Touristen.

Tourismus-Werbung tut sich mit diesem Widerspruch schwer. Jedenfalls dann, wenn Urlaubskampagnen das abbilden, was es eben nur noch an wenigen ausgewählten Orten gibt: den einsamen Rückzugspunkt, die verträumte Bucht, das kleine, unentdeckte Fischrestaurant, eben Individualität. Werber destillieren aus solchen Sehnsüchten gefühlvolle Claims, die aber im Zeitalter des Massentourismus kaum noch einlösbar sind.

Doch es gibt eine Destination, bei der diese Unstimmigkeiten gleichsam in der Sonne dahinschmelzen: Mallorca. Mit wem ich mich in den vergangenen Tagen auch unterhalten habe: Die Mittelmeerinsel ist bei vielen Deutschen noch immer (oder auch wieder) das Reiseziel Nummer eins.

Weil die unterschiedlichsten Touristen dort ohne großen Aufwand alles finden, was sie in ihrer Freizeit suchen: Sommer, Sonne, Strand und Meer. Sport, Fitness und Gesundheit. Wandertouren in der Tramuntana. Tolle Museen in Palma oder Port d’Andratx, wo Stararchitekt Daniel Libeskind ein kleines, eindrucksvolles Ausstellungsgebäude für die Künstlerin Barbara Weil errichtet hat.

Und, immer noch ganz entscheidend: Weil es dort direkt am Strand den Ballermann gibt, mit dem „Oberbayern“ oder dem „Bierkönig“ in der Schinkenstraße - für alle, die es sehr laut und spaßig lieben und die den Alkohol auch schon mal aus Eimern schlürfen. Wovon übrigens auch die deutschen Brauereien profitieren und die nicht mehr ganz so taufrischen Stars des deutschen Schlagerwesens.

Mallorca schafft es, die Massen zu bedienen und dabei trotzdem Individualität zu bieten. Was bei vielen anderen Reisezielen gegensätzlich wirkt, sorgt auf dieser Insel für ein stimmiges Gesamtbild. Das musste auch die Regionalregierung der Balearen erkennen, die vergebens versucht hatte, gegen das Image vom Ballermann (und des englischen Pendants Magaluf) vorzugehen.

Die Megamarke Malle lebt. Wir sehen uns!

Marianne Heiß ist Finanzchefin der Agentur BBDO Germany. Die Autorin ist eine von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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