Der Werber-Rat
Mehr Raum für Talente

Was Netflix für fiktionale Serien ist, ist Jan Böhmermann für den Bereich Show und Entertainment. Er verbindet das lineare Fernsehen mit digitalen Möglichkeiten. Dieses Talent scheint das ZDF noch nicht erkannt zu haben.

Vergangene Woche gab es ihn wieder. Den Böhmermann-Effekt. Am Nachmittag vor seiner wöchentlichen Late Night Show "Neo Magazin Royal" verbreitete sich ein rund fünfminütiger Clip mit dem Titel "Be Deutsch". Eine Satire - und Antwort auf alle aktuellen politischen Diskussionen. Ich habe begeistert zugeschaut und den Link zigfach weitergeleitet bekommen.

Ebenfalls begeistert war ich, weil es der beste Beleg dafür war, wie das Fernsehen der Zukunft aussehen muss. Nämlich eine perfekte Symbiose aus der Produktionsmacht klassischer Fernsehanstalten und der digitalen Verbreitung dieser Inhalte. Jenseits der linearen Fernsehdenke. Was Netflix für fiktionale Serien ist, ist Jan Böhmermann für den Bereich Show & Entertainment.

Nur die TV-Anstalten sind da offenbar noch skeptisch. Warum sonst verstecken sie die Show im Nischen- oder Nachtprogramm? Weil die Zielgruppe eh im Netz guckt? Wäre ein Argument, aber sollte Böhmermann nicht mehr sein als der Netzonkel für junge ZDF-Zuschauer?

Seine Show könnte dem ganzen Sender als Aushängeschild und Plattform dienen. Und die Messlatte für eine intelligente Vernetzung von Web und TV werden. Stattdessen glauben die Fernsehveranstalter offenbar im Bereich Unterhaltung immer noch an das friedliche Familienprogramm.

Digital bedeutet dabei höchstens, dass jemand Tweets vorliest oder dass die Sendung in der Mediathek abrufbar ist. Das reicht nicht, um die Generation Y für TV-Inhalte zu begeistern. Hier geht es um Timing, Formate, Distribution und einfach um den richtigen Ton. Ich sage daher: Be mutig - und räumt Böhmermann mehr Raum im Programm ein.

Denn er sprüht vor Energie. Geben wir den Talenten mehr Raum mit ihrer Kreativität, das lineare Fernsehen mit allen digitalen Möglichkeiten weiterzuentwickeln. Daran hätten wir alle Spaß - inklusive der Generation Y.

Die Autorin: Franziska von Lewinski ist Vorstand der Agentur Fischer-Appelt. Sie ist eine von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Franziska von Lewinski
/ Kolumnistin
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