Der Werber-Rat
Mitsprache erwünscht

Viele Projekte können nur gelingen, wenn die Menschen Vertrauen in die Weisheit der Entscheider haben. Vertrauen aber ist eine sehr zarte Pflanze, die mit Transparenz und Mitsprache bewässert werden muss.
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Die Gründerväter des Bankhauses Merrill Lynch hatten ein Erfolgsrezept: Merrill suchte ständig nach neuen Geschäftsideen. Lynch fragte unbeirrbar nach den Risiken. Eine kluge Arbeitsteilung. Sie verhinderte manchen hitzigen Supererfolg. Sie sorgte aber für Durchblick, Verlässlichkeit und stetigen Gewinn.

Aktivisten in Politik und Wirtschaft sind stärker auf Hoffnung als auf Befürchtung programmiert. Das macht sie zu Motoren des Fortschritts. Sie sind aber gefährdet, die Risiken kleinzureden, die Kosten lässig zu berechnen und die Trägeren in der Gesellschaft aus den Augen zu verlieren.

Diese haben manchmal erschütternd gute Gründe, auf die Bremse zu steigen. Großprojekte fahren gegen die Wand. Finanzierungspläne explodieren, falsche Kostenrechnungen, Korruption, Preisabsprachen und Fusionierungswahn lenken viel Geld in falsche Kanäle.

Es stimmt, was die Spatzen von den Dächern pfeifen: Wir erleben einen enormen Vertrauensverlust in die Weisheit von Entscheidungsträgern. Vertrauen ist eine zarte Pflanze. Sie welkt rasch und braucht lange, um sich zu erholen. Sie nimmt keine Befehle entgegen und ist durch Zahlen, Diagramme und verbale Argumente wenig zu beeindrucken. Sie wächst aber, wenn man sie mit Substanzen wie „Transparenz“ und „Mitsprache“ bewässert.

Das ist hartes Brot für Politik, Verwaltung und Wirtschaft. Nach notwendigen Reformen abgestrafte Politiker sind kaum noch bereit, sich für wenig populäre Projekte zu exponieren. Unternehmen müssen selbst für Akzeptanz sorgen. Selbsterklärung ist angesagt - sich dem öffentlichen Dialog stellen und bestehen. Es gibt nicht nur den mündigen, rationalen und offenen Bürger, sondern auch den irrationalen, stimmungsabhängigen, egoistischen, der vor allem eines ist: dagegen.

Ergebnisoffene Mitsprache nimmt auch diese mit. Konsensbildung durch Volkes Wille. Die Reichstagsinschrift: „Dem Deutschen Volke“ war ein Geschenk von Kaisers Gnaden. Der kluge Schweizer Botschafter Tim Guldimann fragte kürzlich, wer dabei das Subjekt hinter dem Objekt sei. Über dem Schweizer Bundesrat steht: „Öffentliches Wohl sei das oberste Gesetz“. Was das ist, bestimmt der Schweizer selbst.

Der Autor:

Bodo Hombach ist Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik und Vorstand der Brost-Stiftung. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

Kommentare zu " Der Werber-Rat: Mitsprache erwünscht"

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  • Werbung? Ich bin nur teilweise dafür. Werbung muss in der Landedsprache zwingend erfolgen und wahr sein. Schon eine Fremdsprache zeigt mir, man will den Kunden vorsätzlich belügen, betrügen und ihn nur abzocken. Die Versprechen werden grundsätzlich nicht eingehalten. Schon der "Beruf" Werber muss verboten werden. Wer kennt Handy im englischsprachigen Raum usw.? Nur um Deutsche zu belügen, betrügen und aus zu nehmen!!!! Dafür werden diese "Kriminellen" noch hoch bezahlt!!!!

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