Der Werber-Rat
Mobile Werbung geht auch anders

Sie sind unbeliebter als Ex-Politiker, die sich von Despoten einspannen lassen. Doch bei ihnen wird es künftig einfacher zu entscheiden, ob man von ihnen etwas sehen will oder nicht: Anzeigen auf iPhones und iPads.
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Apple hat für den Herbst das Betriebssystem iOS 9 angekündigt. Es soll Entwicklern die Möglichkeit geben, die schon länger bekannten Ad-Blocking-Technologien auch für mobiles Surfen anzuwenden. Wer Böses wittert, sieht einen Schlag Apples gegen den Rivalen Google, immerhin dominiert dieser den Markt der mobilen Werbung. Wer ohne Arg ist, sieht vielleicht eher das Ziel, das Nutzererlebnis auf den eigenen Geräten zu verbessern. Und wer schon mal daran verzweifelt ist, auf einem kleinen Touchscreen sich aufdrängende Werbeformate loszuwerden, um im Browser schnell sein eigentliches Ziel zu erreichen, kann Letzterem wohl einiges abgewinnen.

Dennoch kann ich solcherlei Werbeeinschränkungen nicht viel abgewinnen, sie haben etwas Bevormundendes an sich. Aber vielleicht sind sie der unsanfte Druck, den die bisher Denkfaulen brauchen, um über intelligentere Formen mobiler Kundenansprache nachzudenken. Schwer vorstellbar, dass es gerade an den Kontaktpunkten, wo das Wissen über Nutzer und Kontext eigentlich am reichhaltigsten sein sollte, nicht möglich ist, Kommunikation mehr den Charakter eines nützlichen Services zu verleihen.

Nur mal ein Beispiel: Eine Versicherungswerbung stellt auf dem Smartphone nicht den Tarif voran, sondern sichert sich Ihre Aufmerksamkeit mit der Warnung vor einem bevorstehenden Hagelschauer in Ihrer Nähe. Ich bin sicher, es gibt viele solcher Ideen.

Der Wunsch, diese Art Werbung schnell wegzuklicken, wäre merklich geringer als der, die eingangs erwähnten Politiker und Despoten aus dem Sichtfeld zu bekommen.

Der Autor: Torben Bo Hansen ist Mitinhaber der Agentur Philipp und Keuntje. Er ist einer von sechs Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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