Der Werber-Rat
Nicht schenken, sondern fordern

Etwas geschenkt zu bekommen kann viel Freude machen. Noch wohltuender ist es allerdings, wenn die eigene Expertise und Tatkraft gefragt ist. Nicht nur Geschenke erhalten die Freundschaft, sondern auch kleine Bitten.
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Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft. So will es der Volksmund, so ist es Usus, wenn ein Geburtstag ins Haus steht, ein Jubiläum. Ein Werbepostwurf für die lieben Geschäftspartner mit kleinen Aufmerksamkeiten, vom Kugelschreiber über den Flaschenöffner bis zum Kalender. Warum auch nicht? Man will Kontakte pflegen. Ein Hauch von Großzügigkeit.

Vielleicht ist aber auch das Gegenteil nicht ganz falsch. Vielleicht erhalten nicht kleine Geschenke, sondern kleine Bitten die Freundschaft.

Oma und Opa wissen das. Eigentlich haben sie alles und brauchen nichts. Natürlich freuen sie sich über ein Geschenk und zeigen mimischen Überschwang. Richtig glücklich sind sie aber nur, wenn sie gefordert werden. Wer vom anderen etwas erbittet, gibt ihm - unabhängig von der Sache - ein persönliches Signal: Ich brauche dich. Ich traue dir etwas zu. Schön, dass es dich gibt.

Ein tolles Geschenk! Es vergrößert nicht den Besitzstand, aber es bereichert die Beziehung. Es befreit sie vom Verdacht versteckter Absichten. Es sagt ganz klar und einfach: Ich glaube an dich.

Eltern wissen, wie stark sie ihre Kinder machen, wenn sie ihnen etwas zutrauen, ihnen Bitten vortragen und sie dabei würdigen.

Ich las einmal von einer Großmutter. Angesichts des vollgestopften Kinderzimmers fragte sie ihren Enkel nicht nach neuen Wünschen, sondern bat ihn um ein Geschenk von seinem Überfluss. Es gäbe da nämlich Kinder, die gar nichts haben. Und ganz toll fände sie es, wenn er ihr demnächst beim Unkrautjäten im Garten helfen würde? Es soll wunderbar geklappt haben.

Ein Märchen? Vielleicht. Aber zum Reiz des Schenkens gehört die Überraschung. Und man muss es ja nicht so weit treiben wie die Indianerstämme an der Westküste Amerikas. Sie feierten einmal im Jahr das Potlatch-Fest. An diesem Tag standen für den Stamm alle Hütten offen. Jeder konnte kommen und sich was aussuchen, Der Besitz des Stammes wurde umgewälzt. Die im Laufe des Jahres entstandene Schere zwischen Ärmeren und Reicheren wurde scheinbar etwas geschlossen. Das Sein überlistete das Haben.

Die Moral aus der Geschicht': statt Neid zu schüren mehr bürgerliches Engagement einfordern, aber auch ermöglichen.

Bodo Hombach ist Präsident der Bonner Akademie für Forschung und Lehre praktischer Politik sowie ehemaliger WAZ-Chef. Er ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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