Der Werber-Rat
Nobelpreis für die Kardashians?

Talentfrei und trotzdem berühmt, das sind die Kardashians. Doch woher kommt all die mediale Aufmerksamkeit für Kim und ihren rappenden Ehemann Kanye West? Eine Geschichte des perfekten Storytellings.
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Zu den erstaunlichsten Phänomenen unserer Zeit gehört es, dass man talentfrei sein kann und trotzdem berühmt wird. Am bekanntesten sind die Kardashians. Eine amerikanische Sippe, die sich bei ihrem täglichen Tun von Kameras begleiten lässt. Sie sind weder besonders intelligent noch können sie singen, haben keine Blockbuster gedreht und keinen Oscar gewonnen. Auch dem Nobelpreis-Komitee sind sie bisher nicht aufgefallen. Aber selbst der Nobelpreis sorgt nicht für so viel mediale Aufmerksamkeit. Woran liegt das?

Weil die Kardashians wie eine Marke funktionieren. Sie sind klar positioniert, und sie liefern gute Geschichten. Die Berühmteste der Familie, Kim, ist vor allem für ihren ausladenden Hintern bekannt. Ein Foto desselbigen hat alle Social-Media-Rekorde gebrochen. Kein Bild wurde bisher mehr geklickt, verschickt und kommentiert.

Zu ihren Topleistungen gehört es, sich einen superreichen Rapper geangelt zu haben, mit dem sie offen ihre Verschwendungssucht auslebt. Das gemeinsame Kind ist das meistfotografierte Mädchen des Planeten. Die neueste Geschichte aus dem Clan ist das offene Bekenntnis des männlichen Familienoberhauptes, Bruce Jenner, jetzt als Frau leben zu wollen. Der Olympiasieger im Zehnkampf heißt jetzt Caitlyn und beherrscht die Titelseiten.

Alles, was die Kardashians machen, ist perfektes Storytelling. Sie machen aus ihrem Leben „Content“ - das Marketingschlagwort der Stunde. Sie liefern also Inhalte, mit denen sich die Menschen freiwillig beschäftigen. Das Leben von Erna Kasupke aus Kleinwürfelrode ist sicher auch ganz schön. Interessiert nur keinen, wenn sie ihre Katzen füttert.

Die Kunst ist, interessant zu sein und die eigene Marke frisch zu halten. Ob ihnen das nachhaltig gelingt, darf bei den Kardashians bezweifelt werden. Ich hätte da eine Anregung. Wie wäre es damit, den Nobelpreis zu gewinnen?

Die Autorin: Britta Poetzsch ist Global Creative Director der Agentur Ogilvy.

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  • .... Womit sie dann doch nicht ganz talentfrei sind ...

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