Der Werber-Rat: Schöne neue Welt in Trümmern

Der Werber-Rat
Schöne neue Welt in Trümmern

Ernüchterung macht sich breit. Die Heilsbringer von gestern erweisen sich als die Totengräber der Freiheit von morgen. Internetmarken straucheln - Traditionsmarken gewinnen. Was geschieht da?
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DüsseldorfAmazon, Google, Facebook, die Pioniere einer Welt ohne Grenzen, einer Welt der Selbstdarstellung und Selbsttäuschung sorgen immer wieder für Schlagzeilen, die nichts Gutes ahnen lassen. Jungfräulichkeit und Unschuld schwinden schneller, als wir das jemals zu träumen wagten. Die Marken, die gestern noch Freiheit, Demokratie und Gerechtigkeit verkörperten, demaskieren sich als kaltblütige Geschäftemacher, die ihre Werte - die wir ihnen nur allzu gerne andichteten - mit Füßen treten. „Big Brother is watching you“ in neuem Gewand.

Unternehmenskultur, Mitarbeiterorientierung und Corporate Social Responsibility haben scheinbar ausgedient. Der empörte Kunde scheint machtlos, weil Gewohnheit und Gleichgültigkeit ihn in den Fängen der Bequemlichkeit fesseln. Frank Schirrmachers Monstertheorie vom Homo oeconomicus trifft ins Schwarze. Sein Buch „Ego: Das Spiel des Lebens“ beschreibt einen Informationskapitalismus, der zerstört, wovon er lebt.

Es ist noch nicht allzu lange her, dass sich die Welt in Old und New Economy spaltete, um am Ende zu der Erkenntnis zu gelangen, dass es weder alt noch neu, sondern nur eine erfolgreiche Ökonomie gibt. Träume wurden zerstört, Marken vernichtet und Ernüchterung machte sich breit.

Interessant ist, dass in einer Umfrage, die „Readers Digest“ jüngst zum Markenvertrauen der Deutschen veröffentlichte, vor allem die Markenklassiker gut wegkommen, etwa Nivea, Haribo, Tchibo oder Maggi. Demgegenüber „liked“ die großen Player der digitalen Welt keiner. Jedenfalls sucht man sie vergebens.

Die Gewinner der Studie scheinen erkannt zu haben, dass Bekanntheit zwar ein wichtiger Aspekt ist, dass aber erst der Faktor Sympathie für Kundenbindung und Treue sorgt. Keine Frage: Auch diese Marken haben mit Debatten und manchmal sogar mit Skandalen zu kämpfen. Wer dabei allerdings glaubwürdig agiert, dem verzeiht man auch mal Fehler. Darum gelingt es diesen Unternehmen, ihre Kunden von der Qualität ihrer Produkte zu überzeugen, und dies nicht nur, weil es bequem ist, sondern weil sie einlösen, was sie versprechen. Ein Fundament, das trägt.

Die Autorin:

Uli Mayer-Johanssen ist Gründerin und Chefin der Markenagentur Meta-Design in Berlin. Sie ist einer von fünf Kolumnisten, die im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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