Der Werber-Rat

Schuhe ausziehen...

Statt die Sicherheit zu erhöhen, demütigen unsere Flughafen-Kontrollen die Reisenden. Erst wenn die Checks ihre Berechenbarkeit verlieren, werden sie Terrorattacken verhindern können.
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Eine Frau nimmt auf dem Flughafen in Düsseldorf ihre Handtasche aus der für den Sicherheitscheck. Für Ines Imdahl sind die Flughafenkontrollen demütigend. Quelle: dpa

Eine Frau nimmt auf dem Flughafen in Düsseldorf ihre Handtasche aus der für den Sicherheitscheck. Für Ines Imdahl sind die Flughafenkontrollen demütigend.

(Foto: dpa)

Sicher ist es nicht unmöglich, auch in leichten Sommersandalen mit Pfennigabsatz Sprengstoff zu verstecken. Allein: Allzu wahrscheinlich ist es nicht. Denn wenn jemand wirklich Sprengstoff oder jedwede andere Art von Waffen in ein Flugzeug schmuggeln möchte, dann gibt es bestimmte Stellen, die er ganz gewiss nicht als Versteck nutzen würde. Dazu zählen Computer, Gürtel und ganz sicher auch Schuhe.

Seit Jahren werden die Kontrollen an den Flughäfen verschärft. Vor dem Abheben steht inzwischen nicht selten die Erniedrigung. Denn viele Menschen tragen Gürtel nicht zur Zierde, sondern deshalb, weil sonst die Hose herunterrutscht. Auch die nicht mehr ganz frischen Socken nach einem langen Arbeitstag in aller Öffentlichkeit von den Schuhen befreien zu müssen, trägt nicht gerade zu einem würdevollen Auftritt bei.

Darüber hinaus steht man als normaler Reisender inzwischen unter Generalverdacht. Und manche Behandlung des Sicherheitspersonals gibt einem sogar das Gefühl, potenzieller Attentäter zu sein. Statt Höflichkeit regieren ruppige Ansagen. Im Zweifel für den Angeklagten? Diese Grundannahme stimmt bei Flughafenkontrollen eher nicht.

Ines Imdahl ist Psychologin und Inhaberin der Marktforschungsagentur Rheingold Salon.

Ines Imdahl ist Psychologin und Inhaberin der Marktforschungsagentur Rheingold Salon.

Allerdings wehren sich die wenigsten Menschen gegen diese Behandlung. Denn Sicherheit ist über den Wolken ein Grundbedürfnis. Sicherheitsvorkehrungen für die Flugzeuge selbst, ausgeschlafenes Personal und routinierte Abläufe sind durchaus Wohlfühl-Faktoren. Aber jedem Fluggast bleibt bewusst, dass Terroristen immer wieder trotz aller Abfertigungskontrollen in die Jets gelangten. Und erst dort aufgrund von Fahndungslisten gestellt wurden.

Vermutlich bringen schärfere Kontrollen kaum mehr Sicherheit. Denn sie sind zu durchschaubar. Um die Sicherheit zu erhöhen, müssten Kontrollen nicht verstärkt, sondern verändert werden. Variabel, zufällig, überraschend. Nicht einschätzbar, wann, was und wie kontrolliert wird. Kombiniert mit mehr Wohlwollen gegenüber den 99,9 Prozent der Reisenden, die sich nichts zu Schulden kommen lassen, wäre das ein Versuch, auf Terror von Einzelnen nicht mit "Terrorisierungen" von allen zu reagieren.

Die Autorin:

Ines Imdahl ist Psychologin sowie Inhaberin und Geschäftsführerin des Rheingold-Salons. Sie ist eine von fünf Kolumnisten, die an dieser Stelle im täglichen Wechsel über Kommunikation schreiben.

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8 Kommentare zu "Der Werber-Rat: Schuhe ausziehen..."

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  • Demütigung ist der richtige Ausdruck.
    Ich war Ende März nach einem 13 Stunden Flug von Singapur nach Frankfurt in ziemlicher Eile, da die Umsteigezeit in meien Flieger nach München nur noch 30 Minuten war.
    Bei der erneuten Transit-Sicherheitskontrolle - Singapur ist ja offenbar nicht zuverlässig - bin ich aus Nervosität einen Schritt über die rote Linie gegangen, weil ich dachte, man hätte mich in den Kontrollbereich gewunken.
    Was für ein Irrtum..... Ich wurde von den Sicherheitskräften völlig aufgebracht angeschrien zurückzubleiben und dann als ich endlich dran war in einer Weise gefilzt, die nur noch entwürdigend war.
    Meine Begleitung, immerhin 5 Leute, die auch den Flieger nach München erreichen mußten,waren längst durch.
    Trotz meiner Bitten und Hinweise auf den Zeitdruck wurde dann erst recht langsam gemacht.
    Hier wurde Kontrolle zum Selbstzweck, nicht für die Sicherheit.
    Natürlich machen die Leute nur ihren Job- aber den kann man auch freundlich und unvoreingenommen machen.
    Mein Enkel, der dabei war (4 Jahre alt) war noch Tage danach verstört.

  • Leider ist es so, dass es immer zwei Totschlagargumente gibt um im Endeffekt jede Überwachung zu legitimieren: Terrorismus und Kinderpornografie.
    Das Argument in den Raum geworfen und ich kann nahezu jedwedes Datenschutzrecht ins Wanken bringen.

  • Der wahre Terror ist die Kontrolle.... da hat der Artikel völlig Recht. Wie will man sich der Demütigung denn erwehren? Wenn man pünktlich in den Flieger will?

    Würde wirklich die Sicherheit im Vordergrund stehen, müßte man den Kontrollwahnsinn auch auf Bus und Bahn ausweiten. Deren Passagiere möchten ja sicher auch nicht gesprengt werden...

  • Es genügt, nur die sogenannten Muslime zu kontrollieren.

  • @GRD:
    Vertreten Sie tatsächlich die Meinung, so wie Sie diese niedergeschrieben haben, oder hab ich nur die Ironie nicht auf anhieb verstanden?

  • Tschuldigung das ist genau das was man an PRISM beanstandet: durch den Datenscan ist jeder erstmal schuldig...

  • Klar,..am besten nur die Leute kontrollieren, die wie Terroristen aussehen und die 99,9% der Anderen in Ruhe lassen. Gute Kontrolle aller Passagiere halte ich für richtig und wenn man sich aller Metallteile vor der Kontrolle entledigt kann man in der Regel sogar ohne Abtasten durchmarschieren.
    Ich wundere mich oft über die Höflichkeit der Sicherheitsleute in Situationen, in denen diese von verspätet am Flughafen aufgetauchten und in der Schlange drängelnden Passagieren angeschnauzt werden.

  • Die Kontrollen sind noch zu lasch. Um Menschenleben zu retten und potenzielle Mörder zu fassen darf es keine Tabus geben. Auch wenn sich Jemand belästigt fühlt oder sog. Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen muss.

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